Depot schließt alle 24 Filialen in Österreich – der Ausverkauf beginnt
Für Depot ist in Österreich Schluss. Eigentümer Christian Gries informierte die Mitarbeiter am Dienstag, 27. Oktober 2026, per Teams-Call über das Ende der Wohnaccessoire-Kette. Alle 24 Filialen werden geschlossen, rund 140 Beschäftigte sind betroffen. Bis zum 31. Jänner 2027 sollen ihre Gehälter weiterbezahlt werden.
Der Betrieb der Gries Deco Austria GmbH wird am 31. Jänner 2027 vollständig eingestellt. Ende Jänner laufen sämtliche Dienst- und Mietverträge aus. Gries strebt eine einvernehmliche Kündigung der Mietverträge und eine geordnete Schließung an. Einen Sozialplan gibt es nicht; der Firmenchef zeigte sich zuversichtlich, dass die Beschäftigten andere Arbeitsplätze finden.
Abverkauf vor dem endgültigen Aus
Ab sofort beginnt der Ausverkauf der gesamten Ware mit 30 Prozent Rabatt. Das Weihnachtsgeschäft soll noch mitgenommen werden, umfangreiche Abverkaufsaktionen sind geplant. Auch bestehende Gutscheine können noch eingelöst werden – spätestens bis zum 31. Jänner 2027.
Für die Feiertage hatte Depot zusätzliche Ware im Wert von mehreren Millionen Euro eingekauft. Mehr Verkaufsflächen vor Weihnachten konnten laut Gries allerdings wegen fehlender Mitarbeiter nicht angemietet werden. Zwischen Wien und Vorarlberg war Depot in Spitzenzeiten mit 50 Filialen vertreten, zuletzt sind es 24. Nach 17 Jahren verschwindet die Marke nun vollständig aus Österreich.
Die Schließung erfolgt ohne Insolvenz in Österreich, steht aber im direkten Zusammenhang mit der Pleite der deutschen Muttergesellschaft. In Deutschland hatte die deutsche Deko-Kette bereits 2024 Insolvenz angemeldet. Das österreichische Filialnetz wurde danach von 49 auf weniger als 30 Standorte reduziert, mehr als 100 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz.
Nach dem erneuten Insolvenzantrag in Deutschland im Mai dieses Jahres konnte Depot den Geschäftsbetrieb nicht fortführen. Die insolvente Muttergesellschaft GDC Deutschland stellte ihren Betrieb Ende September ein; dort verloren mehr als 1.000 Menschen ihren Arbeitsplatz. Inzwischen sind in Deutschland alle Geschäfte geschlossen. Rund 80 Prozent der von Depot aufgegebenen Läden in guten Lagen seien bereits an Diskonter vermietet, sagt Gries.
Kein Weg zurück mit dem bisherigen Modell
Ursprünglich wollte Gries mit etwa 30 Filialen in Deutschland und 25 in Österreich weitermachen. Eine Fortführung in Deutschland sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich gewesen – unter anderem hätten dortige Mitarbeiter Kündigungen einklagen können. Im Sommer hatte Gries gegenüber dem „Manager Magazin“ noch angekündigt, die Marke retten und mit einer verkleinerten Version fortführen zu wollen. Der Einschnitt in Deutschland und Österreich soll nun einen möglichen Neustart zu einem späteren Zeitpunkt ermöglichen.
Das österreichische Geschäft eigenständig weiterzuführen, sei nicht möglich. Der Markenname Depot gehört weiterhin Gries, vorerst will er aber nur das Großhandelsgeschäft fortführen. Ob es künftig wieder eigene Geschäfte geben wird, ist offen. Ein Neustart würde laut Gries jedenfalls ein völlig neues Konzept erfordern.
Die Probleme hätten sich über Jahre aufgebaut: ein zu langsames und wenig attraktives Geschäftskonzept, der wachsende Druck durch Diskonter und die Konkurrenz des Onlinehandels. Dazu kommen hohe Importzölle auf Waren aus Asien, steigende Gehälter bei stagnierenden Umsätzen und sinkende Margen. Auf Keramik erhebe die EU laut Gries einen Strafzoll von 100 Prozent, auch Kerzen seien von Zöllen betroffen. Plattformen wie Temu hätten bei Bestellungen unter bestimmten Wertgrenzen Zollvorteile.
Depot müsse sich in einem starken Preiskampf behaupten, während Kunden immer häufiger nach günstigen Angeboten suchen. Aktionspostenmärkte wie Action und Tedi bieten Dekoartikel billig an, gleichzeitig bleiben die Konsumausgaben zurückhaltend und die Online-Konkurrenz wächst.
Die letzte im Firmenbuch hinterlegte Bilanz der Gries Deco Austria GmbH betrifft das Jahr 2024 und weist rund 1,77 Millionen Euro Gewinn aus. Gries kaufte Depot 2019 zurück und investierte nach eigenen Angaben persönlich mehrere Millionen Euro in Ware, Mieten und Gehälter, um die Abwicklung zu ermöglichen.
Gegründet wurde das Unternehmen 1948 von Gries’ Großvater – zunächst zur Herstellung künstlicher Früchte und von Christbaumschmuck. Ausgerechnet das Geschäft mit den vielen kleinen Dingen für Wohnung und Festtafel endet nun zwischen Rabattaufklebern und leeren Regalen.
Einzelhandel zwischen Expansion und Rückzug
Der Fall Depot passt in ein größeres Bild. Der österreichische Einzelhandel befindet sich laut der jährlichen Expansionsanalyse von RegioData Research weiter in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Die Analyse basiert auf mehr als 680 aktiven Vertriebslinien und untersucht, wie sich Konsumverhalten, Kostendruck und neue Geschäftskonzepte auf die Standorte auswirken. Manche Unternehmen erweitern ihre Netze deutlich, andere sperren reihenweise Filialen zu.
Selbstbedienungs- und Discountkonzepte gewinnen an Bedeutung. Handels-, Gastronomie- und Dienstleistungsanbieter setzen verstärkt auf reduzierte Personalkonzepte, automatisierte Abläufe und selbstständige Kundennutzung. Dazu zählen Selbstbedienungsläden, teilautomatisierte Gastronomie, SB-Bäckereien, Abholstationen und digitale Services. Laut Analyse entwickelt sich Selbstbedienung zunehmend zum Standard.
Non-Food-Discounter expandieren weiterhin – getragen von preisorientierter Nachfrage und standardisierten Standortkonzepten. Neue Filialen entstehen auch in kleineren Städten und peripheren Lagen. Woolworth eröffnete im Beobachtungszeitraum netto 48 neue Standorte, NKD wuchs um 16, Action um sieben. SPAR eröffnete netto 17 neue Standorte.
Gleichzeitig nimmt die Marktkonzentration zu: Wachstum konzentriert sich auf große, kapitalstarke Handelsgruppen, während kleine und mittlere Anbieter Marktanteile und Standorte verlieren. Im Lebensmittelhandel verstärken zusätzliche Filialen und Netzverdichtungen diese Entwicklung. Der Rückzug kleinerer Ketten beschleunigt sie.
Mehrere traditionelle Konzepte bauten ihre Filialnetze deutlich ab. Unimarkt reduzierte sein Netz um 53 Standorte, LIBRO schloss 35 Filialen, KiK verlor netto 23 Standorte und Flying Tiger neun. Bei der Bäckerei Baguette von MPreis wurden 14 Standorte geschlossen. Besonders unter Druck stehen klassische Non-Food-Formate, der Buch- und Medienhandel sowie regionale Lebensmittelkonzepte.
Auch kurzlebige Trendkonzepte verlieren an Gewicht. Bubble-Tea-Stores und Food-Trend-Pop-ups bauen ihre Netze teilweise wieder ab oder verschwinden vom Markt. Ein kurzer Hype ist eben noch kein tragfähiges Geschäftsmodell.
Der Bekleidungs- und Schuhhandel zählt weiterhin zu den größeren Verlierern bei der Standortentwicklung. Bei Monolabel-Konzepten kam es nach punktuellen Expansionen im Vorjahr vermehrt zu Filialschließungen. Im Möbelhandel setzt sich der Strukturwandel fort, starke neue Expansionstendenzen sind nicht erkennbar; die Expansion bleibt insgesamt verhalten. Im preisorientierten Textil- und Modehandel gibt es aber Gegenbeispiele: NKD eröffnete 16 zusätzliche Standorte, s’Oliver netto acht neue Filialen.
Anbieter mit ähnlichen Sortimenten und Zielgruppen entwickeln sich also keineswegs gleich. Woolworth, NKD und s’Oliver expandieren, während KiK, LIBRO und Flying Tiger Standorte verlieren. Entscheidend sind laut Analyse Umsetzung, Kostenstruktur, Standortqualität und Markenstärke.
Die RegioData-Studie „Wer expandiert in Österreich?“ untersucht filialisierte Einzelhandels- und Dienstleistungsunternehmen einschließlich Franchisesystemen sowie Marketing- und Vertriebskooperationen. Erfasst werden Unternehmen, die in der Vergangenheit expandiert haben und möglicherweise weitere Standorte eröffnen oder optimieren wollen. Der Handel wird dabei zunehmend konzentriert, effizient und standardisiert: Wachstum zeigen vor allem klar positionierte Unternehmen mit Kostenkontrolle, traditionelle, personalintensive oder wenig differenzierte Formate verlieren weiter an Boden. Der Wandel bei den Handelsstandorten ist kein kurzer Wetterumschwung, sondern ein langfristiger Prozess.
