Depot schließt alle 24 Österreich-Filialen: Deko-Kette vor dem endgültigen Ausverkauf
In den österreichischen Depot-Filialen beginnt der Ausverkauf. Die Deko-Kette zieht sich nach der Insolvenz ihrer deutschen Muttergesellschaft vollständig aus Österreich zurück. Am 31. Jänner 2027 ist Schluss: Die Gries Deco Austria GmbH stellt ihren Betrieb ein und schließt bis dahin alle 24 Standorte.
Für rund 140 Beschäftigte bedeutet das den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Sie wurden am Tag der Bekanntgabe informiert. Einen Sozialplan gibt es für die Betroffenen nicht. Depot hatte bereits 2024 erstmals Insolvenz angemeldet; nun endet die Österreich-Geschichte nach 17 Jahren.
Gutscheine bleiben gültig, Abverkauf startet
Bestehende Gutscheine können noch bis zur Schließung am 31. Jänner 2027 eingelöst werden. Das Weihnachtsgeschäft soll ebenfalls noch mitgenommen werden, danach sind umfangreiche Abverkaufsaktionen mit Preisnachlässen geplant. In den Filialen dürfte es also bald um Kerzen, Körbe und Deko zum letzten Preis gehen – während die Regale langsam leerer werden.
Firmenchef Christian Gries erklärte, man sei sich der Auswirkungen für die Beschäftigten bewusst. Er gehe davon aus, dass sie anderweitig Arbeit finden würden. Im Sommer hatte Gries noch angekündigt, die Marke mit einer verkleinerten Unternehmensversion weiterführen zu wollen.
Erneute Insolvenz machte Weiterbetrieb unmöglich
Als Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelten die zunehmende Konkurrenz durch den Onlinehandel, zurückhaltende Konsumausgaben und der Druck durch Aktionspostenmärkte wie Action und Tedi. Dort werden Dekoartikel deutlich günstiger angeboten.
Schon bei der ersten Insolvenz 2024 war das Filialnetz in Österreich verkleinert worden: Von ursprünglich 49 Standorten blieben weniger als 30 übrig, mehr als 100 Beschäftigte verloren damals ihren Arbeitsplatz. Nach einem erneuten Insolvenzantrag der deutschen Muttergesellschaft im Mai 2026 konnte der Geschäftsbetrieb nicht mehr fortgeführt werden. Die insolvente Muttergesellschaft GDC Deutschland stellte ihren Betrieb Ende September ein; in Deutschland kostete die Insolvenz mehr als 1.000 Menschen den Arbeitsplatz.
Österreichischer Handel bleibt unter Druck
Der neue Konjunkturreport von WIFO und Handelsverband beschreibt die Lage im österreichischen Einzelhandel als angespannt. Hohe Energiekosten, steigende Rohstoffpreise, zunehmende Insolvenzen, rückläufige Beschäftigung und eine schwache Konsumdynamik machen den Betrieben zu schaffen.
Ein kleiner Lichtblick kam im Juni 2025: Die kalenderbereinigten Einzelhandelsumsätze lagen um 3,6 Prozent über dem Vorjahresmonat. Der Handelsverband wertet das als begrenzten Hoffnungsschimmer. Die strukturellen Probleme und das insgesamt geringe Wachstum blieben aber bestehen.
Im Juli lag die Inflation in Österreich laut Harmonisiertem Verbraucherpreisindex bei 3,7 Prozent und damit deutlich über dem Euroraum-Durchschnitt von 2,0 Prozent. Besonders die Ausgabengruppe „Wohnen, Wasser und Energie“ trug zur Teuerung bei. Laut einem WIFO-Ökonomen bleibt der Preisauftrieb in Österreich im internationalen Vergleich hoch.
Der Lebensmittelhandel entwickelte sich in den vergangenen Jahren vergleichsweise stabil. Im Nichtlebensmittelhandel gingen die Umsätze vor allem bei Sport- und Spielwaren sowie im Buch- und Zeitschriftenhandel zurück. Laut Bericht könnten sich die Unterschiede zwischen den Branchen allmählich verringern. Im Vergleich zu Deutschland war die allgemeine Inflation in Österreich zwar höher, die Nahrungsmittelpreise stiegen hierzulande jedoch langsamer. Der österreichische Lebensmittelhandel könnte dadurch in den vergangenen Jahren inflationsdämpfend gewirkt haben.
Weniger Beschäftigte, viele offene Stellen
Im Juli waren rund 333.000 Menschen unselbstständig im Einzelhandel beschäftigt – 2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig gab es etwa 11.000 offene Stellen, darunter mehr als 9.000 Vollzeitstellen. Das gilt als Hinweis darauf, dass die Suche nach qualifiziertem Personal schwierig bleibt. Eine merkwürdige Spannung: weniger Beschäftigte, aber trotzdem nicht genug passende Bewerber.
Im zweiten Quartal 2025 wurden 185 Insolvenzen im Handel eröffnet, 6,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das waren mehr als zwei Insolvenzen pro Tag.
Das Verbrauchervertrauen verbesserte sich im Juli leicht und erreichte den höchsten Stand seit neun Monaten. Im pessimistischen Bereich blieb es trotzdem. Die Sparquote ist hoch, die privaten Konsumausgaben dürften 2025 nur geringfügig wachsen. Die reale Wertschöpfung im Handel dürfte 2025 noch um 0,2 Prozent sinken; eine steigende Ausgabenbereitschaft der privaten Haushalte wird frühestens für 2026 erwartet.
Für 2026 fällt der Ausblick vorsichtig positiv aus. Der Handelsverband fordert Unterstützung für kleine Handelsbetriebe und fairere Wettbewerbsbedingungen im Onlinehandel. Nach drei Rezessionsjahren könnte sich die Lage bei gezielten Maßnahmen und größerem wirtschaftlichem Vertrauen verbessern – für Depot in Österreich kommt diese Aussicht allerdings zu spät. Die 24 Filialen zählen bereits ihre letzten Verkaufstage.
