Frasers Group übernimmt die Mehrheit an Hugo Boss
Bei Hugo Boss verschieben sich die Machtverhältnisse: Die britische Frasers Group hat die Mehrheit am deutschen Modekonzern übernommen. Am Freitag kaufte Frasers 198.666 weitere Hugo-Boss-Aktien für rund 7,6 Millionen Euro und erhöhte den Anteil auf 50,08 Prozent des Grundkapitals. Mitte Oktober hatte die Beteiligung laut Pflichtmitteilung noch 48,8 Prozent betragen.
Gezahlt wurden 38,41 Euro je Aktie. Genau auf diesem Niveau schloss das Papier am Freitag laut dpa-AFX im Xetra-Handel. Für Hugo Boss bedeutet der Schritt, dass das Unternehmen zur Tochtergesellschaft von Frasers wird und künftig in deren Konzernbilanz einbezogen werden soll. Frasers erklärte, die Mehrheitsübernahme liege im Interesse der eigenen Aktionäre.
Vom gescheiterten Angebot zur Mehrheit
Der Weg dorthin war holprig. Seit 2020 ist Frasers an Hugo Boss beteiligt, seit Mitte Juni versucht die britische Gruppe, die Kontrolle zu übernehmen. Im Juni bot sie den übrigen Aktionären 38 Euro je Aktie. Vorstand und Aufsichtsrat von Hugo Boss hielten den Preis für zu niedrig und rieten von einer Annahme ab. Die zusätzliche Annahmefrist des freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots endete am 13. August.
Nach Ablauf des Angebots hielt Frasers zunächst 47,89 Prozent und verfehlte damit die Mehrheit. Anfang September kündigte das Unternehmen an, mit weiteren Zukäufen die Schwelle von 50 Prozent überschreiten zu wollen. Zuvor hatte Frasers trotz des gescheiterten Übernahmeangebots angekündigt, weiter Aktien zu kaufen und die Marke von 50 Prozent der Anteile und Stimmrechte zu erreichen. Die Hugo-Boss-Aktie stieg damals am Dienstagvormittag um knapp 1 Prozent auf 39 Euro, während die Frasers-Aktie in London gut 1 Prozent verlor.
Ein Sprecher von Hugo Boss sagte, man habe die Aufstockung zur Kenntnis genommen. Für das Unternehmen ändere sich dadurch zunächst wenig. Grundsätzlich begrüße Hugo Boss das langfristige Engagement und die konstruktive Zusammenarbeit mit Frasers als größtem Einzelaktionär.
Auch im Aufsichtsrat wurde umgebaut
Frasers vergrößerte seinen Einfluss nicht nur über Aktien. Mitte September trat der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Stephan Sturm auf Druck des Großaktionärs zurück. Frasers erklärte, man habe sich mit Sturm auf den Rückzug verständigt. Sturm sagte, er habe seine Aufgabe stets im Interesse des Unternehmens und aller Aktionäre verstanden.
Kurz darauf wurde Frasers-Chef Michael Murray zum neuen Vorsitzenden des Hugo-Boss-Aufsichtsrats gewählt. Murray gehört dem Kontrollgremium seit Mai 2025 an. Schon zuvor hatte Frasers geprüft, ob das Unternehmen Sturm weiterhin unterstützen will; falls die Unterstützung beendet werde, solle dies schriftlich mitgeteilt werden.
Ganz ausgestanden ist die Sache ohnehin nicht. Über verkaufte Put-Optionen könnten Frasers zusätzlich bis zu 21,87 Prozent der Hugo-Boss-Aktien zufallen. Die Käufer dieser Optionen können ihre Aktien zu einem vorher festgelegten Preis an Frasers verkaufen.
Sports Direct, House of Fraser und Asos
Hinter Frasers steht mehrheitlich der britische Milliardär Mike Ashley. Wichtigste Marke der Gruppe ist die Einzelhandelskette Sports Direct. Zum Konzern gehören außerdem House of Fraser und Flannels. Daneben hält Frasers Beteiligungen an weiteren Unternehmen, unter anderem am Onlinehändler beziehungsweise Onlineshop Asos.
Für die Filialen und Standorte von Hugo Boss heißt das zunächst: neue Eigentümerstruktur, aber kein angekündigter unmittelbarer Kurswechsel. Der Konzern wird nun in der Bilanz der Frasers Group auftauchen, während die britische Gruppe ihren Einfluss bei Aufsichtsrat und Aktionärsstruktur weiter ausgebaut hat. Heute, am 24.10.2026, ist die Mehrheitsübernahme damit der vorläufige Endpunkt einer monatelangen Einkaufstour.
