Bei Hellweg und BayWa Bau & Garten läuft der Räumungsverkauf weiter. Hellweg kündigte am 9. Oktober 2026 auf Facebook erneut an: „Wir schließen alle Märkte“. Seit September 2026 werden die Waren in bundesweit 111 Filialen mit angekündigten Rabatten angeboten – für viele Beschäftigte ist das eine nervöse Zeit.

Hintergrund ist ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung von Hellweg und der Tochtergesellschaft BayWa Bau & Garten. Betroffen sind 68 Hellweg-Standorte und 43 BayWa-Bau-&-Garten-Standorte. Ein genaues Enddatum für den Räumungsverkauf gibt es nicht. Laut Hellweg und BayWa gilt er für alle Filialen, also auch für jene, bei denen eine Fortführung bereits geplant ist.

Diese Filialen sind betroffen

In Baden-Württemberg geht es um die BayWa-Standorte Backnang, Bad Urach, Balingen, Brackenheim, Ehrenkirchen, Gaildorf, Herrenberg, Kirchheim, Reutlingen, Weil der Stadt und Weinsberg.

In Bayern ist der Hellweg in Bad Kissingen betroffen. Hinzu kommen die BayWa-Filialen in Bad Tölz, Bad Windsheim, Bindlach, Burghausen, Diespeck, Dillingen, Dinkelsbühl, Fürth, Grafenau, Gunzenhausen, Illertissen, Karlstadt, Mering, Murnau, Neuburg, Nördlingen, Nürnberg, Passau, Pfarrkirchen, Poing, Rothenburg, Schrobenhausen, Schwabmünchen, Simbach, Traunreut, Viechtach, Waldkirchen, Waldkraiburg, Wolfratshausen und Würzburg.

Berlin ist mit den Hellweg-Märkten Berlin-Biesdorf, Berlin-Köpenick, Berlin-Kreuzberg, Berlin-Ostbahnhof und Berlin-Tiergarten dabei. In Brandenburg betrifft es die Hellweg-Standorte Ahrensfelde-Blumberg, Brandenburg, Dahlwitz-Hoppegarten, Deulowitz/Guben, Falkensee, Potsdam und Schwielowsee sowie die BayWa-Filiale in Templin.

In Hessen stehen der BayWa-Markt in Bad Hersfeld und die Hellweg-Filialen in Borken, Dillenburg und Groß-Umstadt auf der Liste. Niedersachsen ist mit Bad Nenndorf, Langenhagen bei Hannover und Wolfenbüttel vertreten – alles Hellweg-Standorte.

Besonders lang ist die Liste in Nordrhein-Westfalen: Ahaus, Beckum, Bocholt, Bochum-Hofstede, Bonn-Beuel, Bünde, Dorsten, Dortmund-Hacheney, Dortmund-Kley, Dortmund-Wambel, Dülmen, Ennepetal, Essen-Borbeck, Essen-Kettwig, Essen-Rellinghausen, Gronau, Hamm, Hattingen, Iserlohn, Kreuztal, Lüdenscheid, Mechernich-Kommern, Mettmann, Monheim, Münster-Gievenbeck, Recklinghausen, Rheda-Wiedenbrück, Selm, St. Augustin, Steinfurt und Wuppertal.

In Sachsen sind Chemnitz-Adelsberg, Delitzsch, Freiberg, Leipzig, Rodewisch und Zwickau betroffen. In Sachsen-Anhalt geht es um Aschersleben, Halberstadt, Lutherstadt-Eisleben, Quedlinburg, Staßfurt, Stendal und Zeitz. Thüringen folgt mit Arnstadt, Greiz, Leimbach-Kaiseroda/Bad Salzungen, Nordhausen und Schmalkalden.

Rabatte, Übernahmen und offene Fragen

Vom Rabatt ausgenommen sind unter anderem Pfand, Tabakwaren, Bestellkäufe, Geschenkgutscheine, Serviceleistungen sowie Fracht- und Versandkosten. Die Rabatte sind nicht miteinander kombinierbar. Wer also mit mehreren Aktionen an der Kasse jonglieren will, dürfte eher kurz als glücklich werden.

Eine Schließung sämtlicher Märkte bedeutet die Ankündigung allerdings nicht. Für mehrere Standorte wurden Übernahmen durch Bauhaus, Hornbach oder OBI vereinbart. Bauhaus übernimmt in Nordrhein-Westfalen Beckum, Dortmund-Hacheney, Essen-Rellinghausen und Iserlohn, in Brandenburg Dahlwitz-Hoppegarten und Potsdam sowie in Baden-Württemberg die BayWa-Filiale in Backnang.

Hornbach ist für Dortmund-Kley, Essen-Borbeck und St. Augustin in NRW vorgesehen, außerdem für Ahrensfelde in Brandenburg und Freiberg in Sachsen. OBI übernimmt in Berlin Tiergarten und Yorckstraße, in Bayern die BayWa-Märkte in Nördlingen und Wolfratshausen sowie in NRW Münster.

Für Mechernich und Steinfurt sind ebenfalls Übernahmen geplant. Wer dort künftig hinter dem Verkaufstresen steht, ist aber noch nicht festgelegt. Für die Beschäftigten bleibt damit einiges offen – trotz der bereits bekannten Pläne.

Die Branche steht unter Druck

Der Fall reiht sich in eine schwierige Phase für Baumärkte ein. Die Hagebaumarkt Mülheim an der Ruhr GmbH hat für die Standorte in Mülheim und Ratingen Insolvenz beantragt. Der Geschäftsbetrieb läuft dort vorerst weiter, betroffen sind 75 Mitarbeiter.

Geschäftsführer Hartmut Buhren verwies bereits im Februar auf strukturell hohe Standortkosten, die nicht dauerhaft ausgeglichen werden könnten. Aktuell drückt laut Buhren vor allem die Kaufzurückhaltung: Viele Kunden verschieben geplante Sanierungsprojekte. Nach dem Ende des Corona-bedingten DIY-Booms verzeichnet die Baumarktbranche inzwischen im dritten Jahr in Folge einen Umsatzrückgang.

Philipp Hoog von der BBE Handelsberatung spricht von einer „regelrechten Belastungsprobe“. Baukrise und Konsumzurückhaltung lassen klassische Heimwerkerarbeiten und Tätigkeiten von Eigenheimbesitzern zurückgehen. Damit verliert die Branche eine wichtige Kundengruppe; Hoog nennt das einen „Strukturbruch für die Baumärkte“.

Zusätzlichen Druck machen Discounter wie Aldi, Lidl, Action und JYSK. Dazu kommen Online-Marktplätze wie Amazon und Temu. Besonders schwierig ist die Lage für sehr große Standorte außerhalb der Innenstädte, wenn ihnen ein eigenes, tragfähiges Konzept fehlt. Baumärkte, die in guten Jahren nicht in den Onlinehandel und die Modernisierung ihrer Verkaufsflächen investiert haben, leiden laut Hoog nun unter diesem Versäumnis.

Als mögliche Wege aus der Krise nennt Hoog die Entwicklung vom reinen Regalverkauf zum projektorientierten Problemlöser, stärkere Spezialisierung und klare Marktprofile. Gefragt sei auch kompetente Begleitung bei Renovierungs-, Sanierungs- und Modernisierungsprojekten. Filialgeschäft, digitale Angebote und Services müssten stärker ineinandergreifen – vom Online-Impuls bis zur Umsetzung vor Ort.

Auf den Prüfstand gehört demnach das gesamte Standortportfolio. Einzelne Märkte könnten modernisiert oder verkleinert, durch Gastronomie, Shop-in-Shop-Konzepte oder frequenzstarke Untermieter ergänzt werden. Nicht zukunftsfähige Standorte müssten konsequent aufgegeben werden. Baumärkte könnten laut Hoog trotz der Herausforderungen gestärkt aus der Krise hervorgehen, wenn sie sich zu Projektpartnern entwickeln und ihre Standort- sowie Digitalstrategien anpassen.

Für die Kundschaft in den betroffenen Filialen heißt es derweil: Preise vergleichen, Bedingungen lesen und im Zweifel nachfragen. Zwischen leeren Regalen, roten Rabattaufklebern und offenen Übernahmefragen bleibt der Räumungsverkauf in den 111 Märkten zunächst weiter in Bewegung.