Hervis baut Filialnetz in Österreich bis 2027 auf 50 bis 55 Standorte ab
Bei Hervis werden die Regale in Österreich künftig wohl öfter leer bleiben: Unternehmenschef Markus Hupach präsentierte am Mittwoch eine neue Strategie und kündigte weitere Filialschließungen an. Bis Ende 2027 soll die Zahl der Standorte auf 50 bis 55 sinken.
Schon im Juni hatte Hervis angekündigt, bis Ende 2026 insgesamt 17 der damals 93 Filialen zu schließen. Gleichzeitig will der Sporthändler mit einer neuen App und einem neuen Webshop jüngere Kundinnen und Kunden erreichen. Weniger Geschäfte, mehr digitale Angebote – der Umbau ist deutlich spürbar.
Ein Markt in Bewegung
Die Entwicklung steht im Zusammenhang mit Veränderungen, die den österreichischen Sportartikelhandel seit mehr als zehn Jahren begleiten. 2013 übernahm der britische Diskonter Sports Direct den angeschlagenen Sporthändler Sport Eybl/Sports Experts. Danach schlossen zahlreiche österreichische Filialen.
Die Covid-19-Pandemie brachte 2020 und 2021 zunächst einen Sonderumsatz-Boom im Sporthandel. Viele Menschen kauften Fahrräder, Laufschuhe und Ausrüstung für neue Freizeitaktivitäten. Mit der Konsumzurückhaltung während der hohen Inflation in den Jahren 2022 und 2023 drehte sich die Stimmung jedoch; die daraus entstandenen Überbestände setzten die Branche zusätzlich unter Druck.
Den Markt dominieren heute die Verbünde Intersport und Sport 2000/Zentrasport. Intersport kam zuletzt auf einen Marktanteil von 29 Prozent, Sport 2000/Zentrasport auf 28 Prozent. Der Österreich-Umsatz von Intersport stieg im Geschäftsjahr 2025/26 um sechs Prozent auf 690 Millionen Euro. Hervis lag laut RegioData zu Jahresbeginn bei 13 Prozent. Kein anderer Sporthändler erreichte mehr als zehn Prozent Marktanteil.
Schließungen, Rückzüge und neue Standorte
Dass Filialnetze nicht automatisch wachsen, zeigen weitere Beispiele. Die österreichische Outdoor-Marke Northland stellte Anfang 2023 den gesamten Geschäftsbetrieb ein und schloss alle Filialen. Der norwegische Sporthändler XXL Sports beendete nach Verlusten Ende 2023 sein siebenjähriges Österreich-Geschäft.
Decathlon geht den entgegengesetzten Weg. Der französische Händler eröffnete 2018 seine erste österreichische Filiale in der SCS Vösendorf bei Wien. Seither stieg die Zahl der Standorte auf sieben. Am 16. Oktober soll in Innsbruck die achte Filiale eröffnet werden. Wirtschaftlich ist der Weg allerdings nicht ohne Kratzer: Bis Ende 2024 summierte sich bei Decathlon Österreich ein Bilanzverlust von 22 Millionen Euro.
Auch online verschieben sich die Gewichte. Der Tiroler Sporthändler SportOkay.com ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen und meldete zuletzt einen Jahresumsatz von 41 Millionen Euro. Zwischen Kartons, Retouren und digitalen Warenkörben entsteht so ein Geschäft, das ohne großes Filialnetz auskommt.
Weniger Fläche, nicht zwingend weniger Umsatz
Nach Angaben des Verbands der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs, kurz VSSÖ, sank der Branchenumsatz 2025 um 1,1 Prozent auf 2,41 Milliarden Euro. Rund eine Milliarde Euro davon wird in Tourismusregionen erzielt. Die Zahl der Beschäftigten stieg im Vorjahr dennoch um 0,5 Prozent auf rund 14.370 Personen.
VSSÖ-Sprecher Michael Schineis bezifferte die durchschnittlichen Ausgaben im Sportfachhandel auf 261 Euro pro Person in Österreich. In Deutschland waren es 166 Euro. Ein merklicher Unterschied – und einer, der auch mit dem starken Tourismusgeschäft und den alpinen Regionen zusammenhängt.
RegioData beschreibt den österreichischen Sportfachhandel seit mehreren Jahren als deutlich konsolidiert. Von 2021 bis 2025 stiegen die Umsätze nominell um rund zwölf Prozent, während die Verkaufsflächen deutlich zurückgingen – vor allem wegen Marktaustritten und Filialschließungen. Die veränderten Wettbewerbsverhältnisse dürften die Branche auch in den kommenden Jahren prägen.
Für einige Händler eröffnen sich dadurch Möglichkeiten: Sie könnten frei werdende Lücken nutzen, expandieren und ihre Marktposition stärken. Bei Hervis heißt das vorerst, dass die Suche nach dem richtigen Platz zwischen Filiale, App und Webshop weitergeht – heute, am 16.10.2026, mit Blick auf immer weniger Standorte und einen Markt, in dem sich die Schilder an den Türen schneller verändern als früher.
