In mehreren Jack-Wolfskin-Filialen gehen offenbar die Lichter aus. In der Altstadt von Celle läuft bereits ein Räumungsverkauf, der genaue Schließungstermin ist allerdings noch offen. Auch der Standort in Osnabrück soll schließen; dort werden die Regale ebenfalls leerer. Ein Unternehmenssprecher sagte der „Hasepost“, Jack Wolfskin könne derzeit keine Informationen zu Filialschließungen herausgeben.

Nach Angaben von „Merkurist“ steht außerdem das Ende der Filiale im Löhr-Center in Koblenz bevor. Auch dort läuft ein Räumungsverkauf. Schon im Juli hatte das „Hamburger Abendblatt“ über einen solchen Verkauf im Hamburger Mercado-Einkaufszentrum berichtet – ebenfalls ein deutlicher Hinweis auf eine mögliche Schließung. Ob weitere Filialen bereits geschlossen wurden oder noch folgen, ist unklar.

Neuer Kurs für Marke und Filialnetz

Jack Wolfskin richtet sein Filialnetz und seine Unternehmensstrategie neu aus. Künftig soll sich der Vertrieb auf besonders aussichtsreiche Kanäle und Standorte konzentrieren. Finanzchef Yongchao Huang betont zugleich: Deutschland bleibe der zentrale europäische Markt.

Der deutsche Unternehmenssitz zieht im Januar 2027 innerhalb Hessens um – von Idstein im Taunus nach Eschborn bei Frankfurt am Main. Mit dem Umzug soll laut „TextilWirtschaft“ kein Stellenabbau verbunden sein. Personalchefin Aki Arràez Ramòn beschreibt Idstein als den Ort, an dem die Marke gewachsen sei, Eschborn dagegen als Standort für die künftige Ausrichtung. Gegründet wurde Jack Wolfskin 1981 in Frankfurt am Main.

Auch bei den Produkten verschieben sich die Gewichte. Für die Frühjahr/Sommer-Kollektion 2027 soll der Schwerpunkt auf langlebigen und leichten Artikeln für Fernwanderungen liegen. Chief Product Officer Jeanne Mochel sagt, Produkte, die bei Fernwanderungen funktionierten, seien auch für den breiten Markt geeignet. Skifahren und Bikepacking gehören ab der Herbst-/Winter-Saison 2026/27 nicht mehr zu den Schwerpunkten.

Chief Marketing Officer Jason Isenberg begründet den Kurswechsel damit, dass Jack Wolfskin den Fokus verloren habe. Ein Satz, der nach Aufräumen klingt – und zu den Räumungsverkäufen in den Filialen passt, auch wenn das Unternehmen selbst derzeit keine Details nennt.

Eigentümerwechsel mit langer Vorgeschichte

2025 kaufte der chinesische Sportkonzern Anta Sports Jack Wolfskin für umgerechnet 262 Millionen Euro von Topgolf Callaway. Das Unternehmen mit Sitz in Idstein gehörte seit 2018 dem US-Golfsport-Spezialisten Topgolf Callaway Brands; dieser hatte damals rund 418 Millionen Euro bezahlt und den Verkauf mit der Konzentration auf das Kerngeschäft begründet.

Für das laufende Jahr erwartete Jack Wolfskin einen Umsatz von etwa 325 Millionen Euro und einen operativen Gewinn von rund 12 Millionen Euro. Rund zwei Drittel des Umsatzes erzielt der Outdoorbekleidungshersteller traditionell im zweiten Halbjahr. Beschäftigt werden etwa 1500 Mitarbeiter.

Anta Sports will mit der Übernahme sein Outdoorsegment ausbauen. Mögliche Synergien sieht der Konzern in der Lieferkette, bei der Produktentwicklung und im Einzelhandel. Die Übernahme ist laut Anta Teil der globalen Expansionsstrategie. International ist der Konzern vor allem durch seine finnische, an der New Yorker Börse gelistete Tochter Amer Sports bekannt. Anta stieg 2019 als Teil eines Konsortiums bei Amer Sports ein. Zu Amer Sports gehören unter anderem Atomic, Salomon, Wilson, Peak Performance und Arc’teryx.

Der Weg dorthin war nicht geradlinig. Jack Wolfskin wurde Anfang der 1980er-Jahre gegründet. 2011 stieg der Finanzinvestor Blackstone ein und zahlte rund 700 Millionen Euro. Die Expansion ins Ausland blieb erfolglos; anschließend gab Blackstone das Unternehmen an eine Gruppe von Hedgefonds ab. Diese verkaufte Jack Wolfskin 2019 an Callaway.

Outdoor bleibt Teil eines größeren Sportmarkts

Wie sich der Sporthandel insgesamt verändert, untersucht der „Branchenreport Sport“, Jahrgang 2025, den das IFH Köln gemeinsam mit der BBE Handelsberatung erstellt hat. Die Analyse entstand auf Initiative des Verbands Deutscher Sportfachhandel (VDS) und des Bundesverbands der Deutschen Sportartikel-Industrie (BSI).

Der Report betrachtet die Veränderungen der vergangenen Jahre im Sportmarkt und enthält Daten zum Marktvolumen sowie zur Marktentwicklung 2023–2024. Untersucht werden die Kategorien Bekleidung, Schuhe, Ausrüstung sowie Zubehör und Accessoires, außerdem Sportartikelkäufe für nicht-sportliche Anlässe – einschließlich Marktvolumen, Vertriebswegen und Kaufverhalten. Hinzu kommen Profile und Strukturen der Vertriebswege, Sportausübung sowie Konsum- und Kaufverhalten und eine Marktprognose für den Zeitraum 2024–2029.

Auf der Liste stehen zwölf Sportarten: Outdoor, Running, Swim & Beach, Training, Wintersport, Racketsport, Teamsport, Bike, Funwheel, Reitsport, Sportstyle sowie weitere Sportarten wie Golf und Angeln. Jack Wolfskin sortiert sich darin gerade neu – zwischen Wanderschuhen, leichten Jacken und der nüchternen Frage, welche Filiale künftig noch dazugehört.