Tagmersheim ohne Bankfiliale: Wie der Dorfladen den Geldautomaten ersetzt
In Tagmersheim ist die Raiffeisen-Volksbank Donauwörth (RVB) seit Ende September nicht mehr vertreten. Die Geschäftsstelle im Ortszentrum wurde vollständig geschlossen. Das Gebäude war früher Teil des Schlosses; Bürgermeister Lothar Behringer zufolge hatte die RVB es bereits vor etwa zwei Jahren verkauft.
Bis Mitte Januar 2026 war die Geschäftsstelle noch personell besetzt. Zuletzt standen im Erdgeschoss allerdings nur noch ein Geldautomat und ein Kontoauszugsdrucker. Beide Geräte wurden zum 30. September abgebaut. Behringer wusste nach eigenen Angaben schon länger von den Plänen und bedauert, dass die Bank damit aus Tagmersheim und der Gemeinde verschwunden ist.
Online statt Schalter
Als Grund nennt die RVB das veränderte Verhalten ihrer Kundschaft: 78 Prozent erledigen ihre Bankgeschäfte inzwischen online, der Standort wurde deshalb immer weniger genutzt. Betroffene Kunden wurden vorab informiert. Bankberater stehen ihnen nun in der nächstgelegenen Geschäftsstelle in Monheim zur Verfügung.
Für Bargeld gibt es im Ort immerhin eine Lösung: Im Dorfladen können Einwohner an der Kasse Geld abheben. Zusätzlich bietet die RVB ein Kunden-Service-Center für telefonische Bankgeschäfte an, dazu Online-Services und Beratung per Video. Die Räume im ehemaligen Bankgebäude könnten nach Einschätzung des Bürgermeisters als Büro oder Praxis genutzt werden. Im Obergeschoss befindet sich eine Wohnung.
Die RVB Donauwörth betreibt weiterhin zwölf klassische Geschäftsstellen: die Zentrale in Donauwörth sowie Filialen in Asbach-Bäumenheim, Buchdorf, Harburg, Höchstädt, Kaisheim, Mertingen, Monheim, Rain, Riedlingen, Tapfheim und Wittislingen. In kleineren Orten ist die Bank nicht mehr mit Personal vertreten. Selbstbedienungs-Geschäftsstellen gibt es in Berg, Mörslingen und Nordheim, SB-Pavillons mit Automaten in Harburg und in der Donauwörther Parkstadt. Zum Standortnetz gehören außerdem ein Immobilien- und ein Versicherungscenter.
Vorstandssprecher Alexander Lehmann teilte mit, dass derzeit keine weiteren Filialschließungen geplant seien. Das klingt erst einmal beruhigend, steht aber in einem größeren Wandel, der längst nicht nur Tagmersheim betrifft.
Weniger Schalter im ganzen Land
In Deutschland gibt es erstmals weniger als 20.000 mit Mitarbeitern besetzte Bankfilialen. Zum Jahreswechsel zählte die Bundesbank 19.501 Standorte von Banken und Sparkassen – 945 weniger als ein Jahr zuvor. Reine Geldautomatenstandorte sind in dieser Statistik nicht enthalten. Als Gründe nennt die Bundesbank die zunehmende Nutzung von Onlinebanking und den anhaltenden Kostendruck.
Mehr als 80 Prozent der Deutschen erledigen ihre Bankgeschäfte laut Bitkom online. Auch ältere Menschen sind dabei längst nicht mehr außen vor: Bei den Menschen ab 65 Jahren nutzten 54 Prozent die Online-Dienste ihrer Bank, nach 45 Prozent im Vorjahr. Bei den 50- bis 64-Jährigen waren es 92 Prozent, ebenso bei den 30- bis 49-Jährigen. In der Altersgruppe von 16 bis 29 Jahren lag der Anteil bei 94 Prozent.
Das Tempo der Filialschließungen ging im vergangenen Jahr zurück. Während der Corona-Jahre hatte sich der Trend zum Onlinebanking deutlich verstärkt: 2021 wurden rund 10 Prozent der Filialen geschlossen, 2022 sank die Zahl der Zweigstellen um rund 6 Prozent. Die Bundesbank erwartet, dass der Rückgang nach den bisher veröffentlichten Plänen der Banken weitergeht.
Ganz verschwinden soll die persönliche Nähe trotzdem nicht. Banken und Sparkassen setzen auf Videoberatung, Beratungscenter mit längeren Öffnungszeiten – teils auch samstags –, Sparkassen-Busse und gemeinsam genutzte Filialen verschiedener Institute. Für manchen ist das praktisch. Für andere fühlt sich eine Bank ohne vertrauten Schalter doch ein bisserl fremd an.
Genossenschaftsbanken unter Druck
Ende vergangenen Jahres betrieben Sparkassen und Landesbanken mit 7.104 Standorten weiterhin die meisten Filialen. Die Genossenschaftsbanken, darunter Volks- und Raiffeisenbanken, kamen auf 6.588 Filialen. Besonders die Genossenschaftsbanken bauten ihr Filialnetz ab – die Schließung in Tagmersheim passt also in eine Entwicklung, die über den Landkreis hinausreicht.
Auch die Zahl der Geldhäuser nimmt ab. Ende 2023 gab es in Deutschland 1.403 Kreditinstitute, 55 weniger als ein Jahr zuvor. Zu diesem Rückgang trugen 52 Fusionen bei, vor allem unter den Genossenschaftsbanken.
Der deutsche Bankenmarkt ist dennoch der größte in Europa. Hier gibt es ungefähr so viele Banken wie in Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien zusammen. Neue digitale Technologien und Fintech-Unternehmen schaffen immer mehr Onlineangebote – und machen viele klassische Filialen zugleich entbehrlich.
Die Entwicklung lässt sich an den Bundesbank-Daten ablesen: 2013 gab es noch über 36.000 Bankfilialen, 2023 waren es 19.501. Bei den Kreditinstituten sank die Zahl im selben Zeitraum von rund 2.000 auf etwas mehr als 1.400 Banken.
Zu den wichtigsten Bankengruppen Deutschlands gehören gemessen am Geschäftsvolumen die öffentlich-rechtlichen Institute, darunter Sparkassen und Landesbanken. Sie befinden sich vollständig oder überwiegend im Besitz der öffentlichen Hand. Die Deutsche Bank wiederum ist gemessen an der Bilanzsumme das größte deutsche Kreditinstitut und gehört zu den privaten Geschäftsbanken beziehungsweise Kreditbanken. Ihre Bilanzsumme lag 2021 bei rund 1,51 Billionen US-Dollar; damit zählte sie zu den 25 größten Banken weltweit.
