In Köln endet 2026 ein Stück Einkaufsgeschichte. Das Traditionsgeschäft der Niggemann GmbH & Co. KG am Alten Markt schließt im Dezember. Seit mehr als 100 Jahren verkauft das Unternehmen Berufskleidung in Leverkusen; nach dem Zweiten Weltkrieg kam die zweite Filiale in Köln hinzu und blieb dort jahrzehntelang bestehen.

„In den Anfangsjahren haben wir Köln mit Jeans versorgt“, sagt Geschäftsführer Guido Nigemann. Heute ist die Lage eine andere: Der Onlinehandel wächst, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich verändert. Seit der Corona-Zeit habe sich die Zahl der Kundinnen und Kunden halbiert, während sich die Kosten verdoppelt hätten. Der Kölner Standort sei dadurch wirtschaftlich nicht mehr tragbar gewesen.

Räumungsverkauf am Alten Markt

Ein Rettungsversuch durch eine Einigung mit dem Vermieter scheiterte. Nun läuft der Räumungsverkauf, teils mit stark reduzierten Preisen. Bis zur Schließung sollen weitere Sondertermine folgen. Dann kommen auch Teile der Ladeneinrichtung unter den Hammer – darunter die charakteristischen Schaufensterpuppen und eine mobile Funkanlage aus alten Armeebeständen, die den Laden über Jahre schmückte. Die konkreten Termine für den Inventarverkauf stehen noch nicht fest.

Die Filiale in Leverkusen bleibt bestehen und wird weiter betrieben. Ganz verschwunden ist Niggemann also nicht, auch wenn am Alten Markt bald die Lichter ausgehen.

In der Kölner Innenstadt steht außerdem ein weiterer Räumungsverkauf an: Der Mephisto-Shop in der Kolumbastraße 5 schließt Ende November 2026. Seit August weisen Plakate an der Fassade auf das Aus hin. Laut Aushang ist der 28. November 2026 der letzte Verkaufstag.

Auch der Mephisto-Shop macht Schluss

Das gesamte Sortiment soll zügig abverkauft werden, der Räumungsverkauf läuft bereits. Neben Mephisto-Schuhen werden auch Schuhe anderer Marken angeboten. Der Betreiber nennt die aktuelle wirtschaftliche Lage als Grund für die Schließung.

Mephisto wurde 1966 von Martin Michaeli gegründet. Der Sitz des Unternehmens liegt in Sarrebourg in Lothringen, Frankreich. Die Firma ist weiterhin in Familienhand und wird von Michaelis Kindern Stephanie und Marc geführt. Bekannt ist die Marke vor allem für Komfort- und Wanderschuhe; seit 2003 gehören auch Kleidung und Accessoires zum Angebot. Nach zuletzt verfügbaren Angaben aus dem Jahr 2021 beschäftigt Mephisto weltweit rund 2800 Mitarbeiter.

Der Druck auf Innenstädte wächst

Die beiden Schließungen passen in ein größeres Bild. COVID-19-Pandemie und Onlinehandel verstärken einen Strukturwandel, der im Einzelhandel schon vorher eingesetzt hatte. Eine vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung wissenschaftlich begleitete Veröffentlichung untersucht die Folgen für den Einzelhandel, besonders in Innenstädten und anderen Zentren.

Grundlage sind sechs empirische Fallstudien zur Einzelhandelsstruktur, darunter zu Leerständen und Nutzungsmischung, außerdem eine Befragung von rund 2.000 Bürgerinnen und Bürgern sowie von etwa 230 Gewerbetreibenden. Die Innenstädte weisen demnach weiterhin eine hohe Nutzungsmischung auf, wobei der Einzelhandel ein wichtiger Bestandteil bleibt. In den sechs untersuchten Innenstädten sank die Zahl der Einzelhandelsbetriebe durchschnittlich um 24 Prozent.

Fachmarktstandorte und die gesamten Verkaufsflächen blieben insgesamt stabil. Besonders stark gingen die Branchen Bekleidung und Unterhaltungselektronik zurück. Rund 20 Prozent der Befragten kaufen seit der Pandemie seltener in Innenstädten ein. Zugleich erklärten 30 Prozent, inzwischen auch Innenstädte aufzusuchen, um das lokale Gewerbe zu unterstützen. Ein kleiner Widerspruch, ja – aber einer mit Gewicht.

Als Perspektive für die Zentren hebt die Studie ihre Funktion als Begegnungs- und Erlebnisräume hervor. Der Einzelhandel gilt darin als innovationsfähig, insbesondere in Verbindung mit zunehmender Digitalisierung. Beteiligt waren Junker+Kruse, die HafenCity Universität Hamburg und die Technische Universität Hamburg.

Veröffentlicht wurde die Untersuchung von Kruse, Kopischke, Krüger, Anders und Flämig im Jahr 2023 unter dem Titel „Innenstadt, Onlinehandel und Pandemie“ als ExWoSt-Informationen 54/1, herausgegeben vom BBSR. Für die Geschäfte am Alten Markt und in der Kolumbastraße kommt diese Einordnung allerdings zu spät: Dort werden jetzt Regale geräumt, Schuhe eingepackt und Schaufensterpuppen verkauft.