Letzte Schnäppchen, leere Regale: Hellweg schließt Zwickauer Filiale am 14. November 2026
Im Hellweg-Baumarkt an der Leipziger Straße in Zwickau werden die Regale leerer und die Wege stiller. Noch ist der Parkplatz geöffnet, noch können Kunden in den Markt gehen – doch am 14. November 2026 ist Schluss. Die Filiale wird dauerhaft geschlossen.
Derzeit lockt Hellweg mit Rabatten von bis zu 80 Prozent. Viele Kunden suchen gezielt nach solchen Schnäppchen. Vieles ist allerdings bereits weg: Sägen, Hämmer, Zangen und Arbeitsschuhe gehören zu den ausverkauften Waren. In der Baustoffhalle klaffen große Lücken in den Regalen, lediglich Trockenbausteine sind noch erhältlich.
Leere Regale, Staub und Frust
Auch in anderen Abteilungen wurde ausgeräumt. Teilweise liegt bereits Staub auf den Böden – ein ziemlich deutliches Zeichen dafür, dass hier nicht mehr aufgefüllt wird. Zwei Wochen vor der endgültigen Schließung ist der Markt zwar noch in Betrieb, aber die Auswahl schrumpft von Tag zu Tag.
Für die Beschäftigten ist die Lage besonders bitter: Laut dem Bericht gibt es keinen Sozialplan. Den betroffenen Mitarbeitern wurde vorsorglich gekündigt. Nach Angaben der Sanierungsgeschäftsführung, auf die sich die „Freie Presse“ beruft, sind der Geschäftsbetrieb sowie die Zahlung von Löhnen und Gehältern bis zum Schließungstermin gesichert.
Alle sechs sächsischen Filialen betroffen
Bis Ende November 2026 schließt Hellweg alle sechs sächsischen Standorte. Neben Zwickau trifft es Märkte in Chemnitz, Leipzig, Delitzsch, Freiberg und Rodewisch. Für einige Hellweg-Märkte in anderen Bundesländern wurden Übernahmelösungen gefunden; für die sächsischen Standorte ist damit offenbar nicht überall zu rechnen.
Hellweg hatte im Juni 2026 wegen finanzieller Schwierigkeiten Insolvenz angemeldet. Von der Insolvenz sind neben 68 Hellweg-Märkten auch 46 BayWa-Bau-&-Garten-Märkte betroffen. BayWa Bau & Garten tritt weiterhin unter dem BayWa-Logo auf, wird aber seit 2012 von Hellweg geführt. BayWa hält heute noch rund 15 Prozent an der Betreibergesellschaft.
Räumungsverkauf in 111 Filialen
Am 7. September 2026 starteten Hellweg und BayWa Bau & Garten in ihren Filialen einen Räumungsverkauf. Hintergrund sind Insolvenzen in Eigenverwaltung, die Hellweg und die BayWa-Bau-und-Garten-Tochter im Juni 2026 beantragt hatten. Als Gründe wurden unter anderem Kaufzurückhaltung, gestiegene Mieten, Lieferkettenprobleme und inflationsbedingte Kostensteigerungen genannt.
Das Insolvenzverfahren für BayWa Bau & Garten wurde am 26. August 2026 vom Amtsgericht Essen eröffnet. Eine Rettung des gesamten Filialnetzes gilt als gescheitert; viele Standorte könnten bis Ende November 2026 schließen. Bundesweit sind 111 Filialen vom Abverkauf betroffen: 68 Hellweg-Standorte und 43 Märkte von BayWa Bau & Garten.
Das gesamte Sortiment ist reduziert, ausgenommen sind unter anderem Pfand, Tabakwaren, Bestellkäufe, Geschenkgutscheine, Serviceleistungen sowie Fracht- und Versandkosten. Verkauft wird, solange der Vorrat reicht – was in Zwickau bei Sägen, Hämmern und Arbeitsschuhen bereits ziemlich wörtlich zu nehmen ist.
In Nordrhein-Westfalen läuft der Abverkauf an 31 Hellweg-Standorten, unter anderem in Dortmund, Essen, Bochum, Bonn, Wuppertal und Münster. In Berlin betrifft der Räumungsverkauf fünf Filialen: Biesdorf, Ostbahnhof, Tiergarten, Köpenick und Yorckstraße. Dort gilt ein Nachlass von rund 30 Prozent; das Verkaufsende ist für den 30. November 2026 vorgesehen.
Bayern ist ebenfalls stark betroffen. Dort werden 30 BayWa-Märkte geräumt, unter anderem in Nürnberg, Fürth, Würzburg, Passau und Regensburg. In Franken sollen alle zehn BayWa-Bau-und-Garten-Filialen bis Ende November 2026 schließen, darunter die Märkte in Bad Windsheim, Bindlach, Dinkelsbühl und Rothenburg. Für keinen dieser fränkischen Standorte gibt es laut Unternehmensangaben eine Investorenlösung.
Auch die einzige bayerische Hellweg-Filiale in Bad Kissingen steht vor dem Aus, sofern kein Investor gefunden wird. Die Hellweg-Filiale in der Goethe Galerie in Jena soll laut lokalen Medien bereits am 22. August ihren letzten Betriebstag gehabt haben.
Hoffnung für einzelne Märkte
Rund 4.000 Beschäftigte von Hellweg und BayWa Bau & Garten haben vorsorgliche Kündigungen erhalten. Die geplante Schließung der Zentralverwaltungen in Dortmund und Garching würde weitere rund 340 Arbeitsplätze betreffen.
Für etwa 35 der 111 Filialen zeichnen sich Investoren- oder Fortführungslösungen ab. Obi plant, bis zu zwölf Hellweg-Märkte zu übernehmen; fünf Standorte sollen bereits feststehen. Zusätzlich will Obi fünf BayWa-Standorte mit rund 250 Beschäftigten übernehmen. Damit gibt es für insgesamt 17 BayWa-Standorte Investorenlösungen.
Bauhaus signalisiert ebenfalls Interesse und übernimmt unter anderem Standorte in Potsdam und Dahlwitz-Hoppegarten. Für diese Märkte wird eine Wiedereröffnung unter dem Bauhaus-Namen im März 2027 angestrebt. Hornbach, Hagebau und Globus haben laut Bericht ebenfalls Interesse an einzelnen Märkten bekundet.
Werden bis Ende November keine weiteren Investoren gefunden, könnten etwa 29 BayWa- und 50 Hellweg-Märkte endgültig schließen. In Zwickau bleibt bis dahin der Parkplatz offen, Kunden greifen nach den letzten reduzierten Angeboten – und zwischen den leeren Regalen wird es von Tag zu Tag merklich ruhiger.
