Muhr am See wehrt sich gegen Postfiliale ohne Schalter
Die Deutsche Post plant, ihre Filiale in der Bahnhofstraße in Muhr am See zu schließen. Der Gemeinderat hat sich in seiner Oktobersitzung mit der Zukunft des Standorts befasst – und die geplante Schließung einstimmig abgelehnt. Gerade ältere Einwohner seien auf persönliche Bedienung und Beratung angewiesen, hieß es. Der Artikel dazu erschien am 19. Oktober 2026.
Auslöser für den Vorstoß der Post ist die neue automatisierte Station in der Rosenau. Die Deutsche Post beantragte bei der Bundesnetzagentur, die Filiale als Ersatz dafür schließen zu dürfen. Für den Gemeinderat ist das keine gute Lösung: Viele ältere Menschen seien mit einer automatisierten Station teilweise überfordert. Briefmarke kaufen, Paket abgeben, etwas nachfragen – das geht am Schalter eben anders als am Automaten.
Kanalnetz wird vermessen
In derselben Sitzung stellte Sven Zwerner vom Planungsbüro Zwerner den Zustand des gemeindlichen Kanalnetzes vor. Digitale und zuverlässige Daten zu Höhen und Lage der vorhandenen Kanäle liegen der Gemeinde bislang nicht vor. Außerdem wurden größere Sandablagerungen festgestellt.
Gesetzlich müssen Gemeinden ihre Kanäle mindestens alle zehn Jahre durch Kanalbefahrungen kontrollieren. Dafür braucht es zunächst eine Reinigung, danach eine Kamerabefahrung. Die Aufnahmen und die Kanalvermessung sollen später als Grundlage für die Planung weiterer Maßnahmen dienen. Als erster Abschnitt sind die Bereiche der Stadelner-, Kirchen- und Schloßstraße sowie die Strecke Richtung Altmühl vorgesehen.
Das Angebot der Baierle Kanalservice GmbH in Zusammenarbeit mit der Entsorgungsfirma Ernst beläuft sich auf 18.738 Euro. Zwerner bewertete die Summe als nachvollziehbar und für den vorgesehenen Umfang üblich. Der Gemeinderat stimmte der Beauftragung einstimmig zu.
Bauanträge und Bahnhof
Drei Bauanträge standen ebenfalls auf der Tagesordnung. In der Gartenstraße soll auf 38 Metern Länge ein Stahlmattenzaun entstehen. Die dafür notwendige Befreiung vom Bebauungsplan wurde mit zwei Gegenstimmen erteilt. Ein Anbau an ein bestehendes Wohnhaus in Altenmuhr wurde mit einer Gegenstimme genehmigt.
Anders fiel die Entscheidung bei einer Garage mit Carport, Holzlege und Hühnerstall aus: Das gemeindliche Einvernehmen wurde mit sieben Stimmen verweigert, weil die Baugrenzen überschritten werden.
Die Pflasterarbeiten auf den Parkflächen am Bahnhof wurden wie beschlossen an die Firma Bürgler Hoch- und Tiefbau vergeben. Der Auftrag kostet 35.777 Euro.
Auch die Deutsche Bahn plant Veränderungen am Bahnhof. Die Bahnsteige in Muhr am See sollen in den kommenden Jahren barrierefrei zugänglich werden. Zur Auswahl stehen Rampen zu beiden Bahnsteigen mit sechs Prozent Steigung oder barrierefreie Zugänge über Aufzüge, die weniger Fläche benötigen. Für die Rampen wären Gemeindeflächen an Gleis 1 und Bundesflächen für den Zugang zu Gleis 2 erforderlich. Der Gemeinderat sprach sich mit zwei Gegenstimmen für die Aufzugsvariante aus. Der Beschluss soll der Bahn als Grundlage für die weitere Planung dienen.
Schloßstraße, Grüngut und Termine
Die Firma Ernst meldete, dass sie wegen der Parksituation die Schloßstraße nur noch schwer befahren könne. Dadurch könnten auch Feuerwehr- und Rettungsdienstfahrzeuge behindert werden. Nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, die Straße nicht weiter zu befahren, hätten die Anwohner ihre Abfalltonnen zu einer Sammelstelle bringen müssen.
Die Gemeindeverwaltung änderte deshalb kurzfristig die Halteverbotsregelung. Ab dem Gemeindehaus gilt nun in Richtung Altmühl und in Richtung AIZ ein eingeschränktes Halteverbot. Bei bestehenden Parkeinschränkungen sollen Müllfahrzeuge dadurch leichter auf den Gehsteig ausweichen können.
Für die Grüngutannahme im Wertstoffhof sieht der zuständige Mitarbeiter keinen weiteren Regelungsbedarf. Die Gemeinde schlug dennoch vor, die vorhandene Mulde durch einen Container zu ersetzen, der auch das Entleeren kleiner Anhänger ermöglicht.
Bürgermeister Stephan Hoyer gab außerdem die Sitzungstermine für 2027 bekannt. Die öffentlichen Gemeinderatssitzungen sollen grundsätzlich am zweiten Mittwoch jedes Monats stattfinden, die Januarsitzung entfällt. Der Maiempfang findet am 4. Mai im Altmühlsee-Informationszentrum statt. Über die Sommersitzungen im August und September soll noch entschieden werden. Die nächste öffentliche Gemeinderatssitzung ist für den 11. November 2026 um 19 Uhr geplant.
Automaten als Ersatz für Filialen?
Der Streit in Muhr am See passt in eine bundesweite Entwicklung. Die Deutsche Post will in großem Umfang Automaten als Postfilialen anerkennen lassen. Seit einer Gesetzesänderung im Januar können Automaten zur Erfüllung der gesetzlichen Filialnetzpflicht angerechnet werden.
Bis Ende September gingen bei der Bundesnetzagentur 629 entsprechende Anträge ein. 72 Automaten wurden genehmigt, vier Anträge zurückgezogen, die übrigen werden noch geprüft. Anerkannte Automaten stehen vor allem in ländlichen Regionen, unter anderem in Asendorf in Niedersachsen, Sankt Augustin in Nordrhein-Westfalen, Heusenstamm in Hessen, Egling in Bayern, Harztor in Thüringen und Schwarzheide in Brandenburg.
Deutschlandweit betreibt die Post etwa 12.600 Filialen, 900 Automaten und 15.600 Packstationen. Falls alle Anträge genehmigt werden, würden Automaten rund fünf Prozent des Filialnetzes ausmachen. Die sogenannten Poststationen ermöglichen unter anderem die Abgabe und Abholung von Paketen, den Kauf von Briefmarken, den Einwurf von Briefen und Videoberatung. Zugänglich sind sie rund um die Uhr – was praktisch klingt, aber nicht jede Frage beantwortet.
Gesetzlich muss die Post in Gemeinden mit mehr als 2.000 Einwohnern eine Filiale betreiben. Außerdem muss sichergestellt sein, dass eine Filiale in zusammenhängend bebauten Wohngebieten höchstens zwei Kilometer entfernt ist. Ende September wurden diese Vorgaben an 160 Standorten nicht erfüllt; dort gab es keine besetzte Filiale.
Der Deutsche Landkreistag fordert deshalb, klassischen Filialen grundsätzlich Vorrang zu geben. Präsident Achim Brötel betont, entscheidend müsse die Nutzerfreundlichkeit sein; die Post dürfe Automaten nicht vor allem einsetzen, um ihre Verpflichtungen möglichst einfach und kostengünstig zu erfüllen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff hält Automaten für besser als gar keine Versorgung, warnt aber ebenfalls davor, sie ausschließlich zur Kostensenkung einzusetzen.
Der Sozialverband VdK kritisiert die Automaten als Rückschritt bei der Inklusion. VdK-Präsidentin Verena Bentele erklärt, dass sie für Rollstuhlfahrer, kleinwüchsige Menschen und Menschen mit Sehbehinderungen häufig nicht nutzbar seien. Ältere Menschen seien teilweise auf persönliche Unterstützung angewiesen. Der Verband fordert größere Displays und Bedienelemente mit Brailleschrift.
