Niggemann schließt am Alten Markt: Kölner Traditionsgeschäft startet Räumungsverkauf
In der Kölner Innenstadt endet eine lange Geschäftsgeschichte: Das traditionsreiche Bekleidungsgeschäft Niggemann schließt seine Filiale am Alten Markt zum 31. Dezember 2026. Heute, am 19.10.2026, läuft dort bereits der Räumungsverkauf.
Unter dem Motto „Alles muss raus“ bietet das Unternehmen Kleidung zu vergünstigten Preisen an. Niggemann ist auf Jeans, Streetwear und Workwear spezialisiert. Zum Sortiment gehört auch Arbeitskleidung für die Gastronomie und medizinische Einrichtungen – also Sachen, die im Alltag einiges aushalten müssen.
Mehr als Kleidung im „All-Verkauf“
Zusätzlich zum Räumungsverkauf gibt es einen „All-Verkauf“. Dabei wird nicht nur Bekleidung angeboten, sondern auch weitere Ausstattung und Inventar aus der Filiale. Zu den genannten Gegenständen gehören Möbel, Schaufensterpuppen und Neonreklame.
Wer etwas findet, kann es kaufen und sofort mitnehmen. Die Termine für den „All-Verkauf“ will das Unternehmen kurzfristig bekannt geben. Ein bisschen Geduld ist also noch nötig – und vermutlich ein wacher Blick auf die Mitteilungen von Niggemann.
Unternehmen mit Geschichte
Nach eigenen Angaben besteht Niggemann seit 1910. Der erste Standort wurde in Leverkusen eröffnet. Nach einem Umzug befindet sich das „Herzstück“ des Unternehmens laut Niggemann bis heute an der Hauptstraße.
Mit der Filiale am Alten Markt verschwindet nun ein weiterer Standort aus dem innerstädtischen Geschäftsbild. Für Kundinnen und Kunden bleibt bis zum Jahresende Zeit, im Sortiment zu stöbern, sich mit Jeans, Streetwear oder Arbeitskleidung einzudecken – oder noch ein Stück Ladeneinrichtung mitzunehmen.
Wenn Innenstädte sich neu sortieren
Die Schließung steht in einem größeren Zusammenhang. Die COVID-19-Pandemie und mehrere gleichzeitig wirkende Krisen setzen den strukturell wandelnden Einzelhandel weiter unter Druck. Für Innenstädte und Zentren verschärfen sich dadurch die Herausforderungen. Die Zukunftsfähigkeit und wirtschaftliche Grundlage bisher dominierender innerstädtischer Nutzungen werden zunehmend infrage gestellt.
Damit entsteht ein Spannungsfeld: Ladenlokale und Büros bieten Potenziale für Nachnutzungen, zugleich geht es um die Gestaltung des öffentlichen Raums. Drohende zusätzliche Leerstände und weitere Umsatzverluste liegen dabei stets mit auf dem Tisch.
Eine Veröffentlichung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung fasst zunächst die empirischen Ergebnisse einer ExWoSt-Studie zusammen. Auf dieser Grundlage wurden Handlungsempfehlungen für die Entwicklung von Innenstädten und Zentren erarbeitet. Berücksichtigt werden funktional-räumliche Unterschiede zwischen Innenstädten und Zentren ebenso wie der Einfluss aktueller Megatrends.
Die Empfehlungen umfassen drei strategische Aufgaben, fünf konkrete Aufgabenfelder und Aspekte, die bei der Umsetzung beachtet werden sollen. Das übergeordnete Leitbild lautet „Innenstädte und Zentren stärken“. Als Hauptadressaten gelten die Kommunen: Sie können als zentrale Akteure den Transformationsprozess der Innenstädte aktiv gestalten.
Behandelt werden in der Veröffentlichung unter anderem die Ausgangslage und Fragestellung, Onlinehandel und urbane Logistik, empirische Ergebnisse aus sechs Fallstudien aus den Jahren 2022 und 2023, Zwischenergebnisse und Bewertung sowie Handlungsempfehlungen und Aufgabenfelder für die Zentrenentwicklung. Hinzu kommen die Rahmenbedingungen der Innenstädte und die Umsetzung sowie die Literatur.
Wissenschaftlich begleitet wurde die Untersuchung vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und den Referaten „Stadtentwicklung“ sowie „Digitale Stadt, Risikovorsorge und Verkehr“. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen begleitete das Vorhaben über das Referat „Lebendige Zentren, Nationale Projekte des Städtebaus“.
Auftragnehmer waren Junker+Kruse, Stadtforschung Planung, Dortmund, die HafenCity Universität Hamburg sowie die Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik. Veröffentlicht wurde die Arbeit von Kruse, Kopischke, Krüger, Anders und Flämig (2024) unter dem Titel Innenstadt, Onlinehandel und Pandemie: Aufgabenfelder für die Zentrenentwicklung. Herausgeber ist das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Die Veröffentlichung erschien in der Reihe ExWoSt-Informationen 54/2, Bonn.
Die DOI lautet: https://doi.org/10.58007/nk51-wa85.
