In Schützingen, einem Ortsteil von Illingen, steht die Volksbank-Kraichgau-Filiale vor dem Aus: Zum 31. Oktober 2026 soll die Geschäftsstelle schließen. Die Volksbank hat die Schließung auf Nachfrage bestätigt.

Bis dahin bleibt die Filiale in der Straße „Große Gasse“ noch geöffnet. Danach werden sämtliche Selbstbedienungsgeräte abgebaut. Geldabheben, das Drucken von Kontoauszügen und weitere Dienstleistungen vor Ort sind dann nicht mehr möglich. Für Bargeld müssen die Bewohner künftig weitere Wege zurücklegen.

Bürgerinitiative sammelt Unterschriften

Gegen die Entscheidung regt sich Widerstand. Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen das Ende der Filiale und sammelt Unterschriften, um die Schließung noch zu verhindern. Für viele Menschen ist der Weg zur Bank eben nicht bloß ein kurzer Abstecher, sondern Teil ihres Alltags – gerade dann, wenn Online-Angebote keine echte Alternative sind.

Die Volksbank verweist auf ihre Online-Angebote. Die Schließung in Schützingen ist zugleich Teil des anhaltenden Filialabbaus von Banken in der Region. Zuvor hatte die Volksbank bereits ihre Filialen in Zaisersweiher und in einem im zugrunde liegenden Artikel nicht vollständig genannten Ort geschlossen.

Weniger Bankfilialen in Deutschland

Der Rückzug aus Schützingen passt in einen bundesweiten Trend. In Deutschland gibt es erstmals weniger als 20.000 mit Mitarbeitern besetzte Bankfilialen. Zum Jahreswechsel wurden 19.501 Standorte von Banken und Sparkassen gezählt – 945 weniger als ein Jahr zuvor. Reine Geldautomatenstandorte sind in dieser Zahl nicht enthalten.

Die Bundesbank führt den Rückgang vor allem auf die zunehmende Nutzung von Onlinebanking und den anhaltenden Kostendruck zurück. Laut einer aktuellen Bitkom-Studie erledigen mehr als 80 Prozent der Deutschen ihre Bankgeschäfte online. Selbst bei den Älteren verschiebt sich das Bild: Erstmals nutzt auch die Mehrheit der Menschen ab 65 Jahren die Online-Dienste ihrer Bank. In dieser Altersgruppe stieg der Anteil von 45 Prozent im Vorjahr auf 54 Prozent.

Bei den 50- bis 64-Jährigen liegt der Anteil bei 92 Prozent, ebenso bei den 30- bis 49-Jährigen. Unter den 16- bis 29-Jährigen sind es 94 Prozent. Zahlen, die aus Sicht der Institute für digitale Angebote sprechen – für jemanden, der am Automaten in Schützingen Bargeld holen will, lösen sie das praktische Problem allerdings nicht sofort.

Banken suchen Alternativen zur festen Filiale

Ganz verschwinden soll die persönliche Beratung nach dem Willen der Banken trotzdem nicht. Institute versuchen, ihre Präsenz außerhalb fester Filialen aufrechtzuerhalten, etwa mit Videoberatung, Beratungscentern mit längeren Öffnungszeiten und Angeboten am Samstag. Auch Sparkassen-Busse sowie gemeinsame Filialen mehrerer Institute gehören zu den Modellen, mit denen die Lücken kleiner gehalten werden sollen.

Das Tempo der Filialschließungen verlangsamte sich im vergangenen Jahr. Während der Corona-Jahre hatte die Pandemie den Trend zum Onlinebanking zusätzlich verstärkt: 2021 sank die Zahl der Filialen um rund zehn Prozent, 2022 ging sie um rund sechs Prozent zurück.

Ende des vergangenen Jahres betrieben Sparkassen und Landesbanken mit 7.104 Standorten weiterhin die meisten Filialen. Genossenschaftsbanken, zu denen Volks- und Raiffeisenbanken gehören, kamen auf 6.588 Filialen und bauten ihr Netz besonders deutlich ab. Nach Einschätzung der Bundesbank wird der Rückgang wegen bereits veröffentlichter Bankpläne weitergehen.

Auch die Zahl der Geldhäuser selbst ging zurück. Ende 2023 gab es in Deutschland 1.403 Banken und andere Geldhäuser, 55 weniger als ein Jahr zuvor. Laut Bundesbank trugen 52 Fusionen dazu bei, vor allem bei Genossenschaftsbanken. In Schützingen bleibt derweil die Unterschriftenliste der Bürgerinitiative im Umlauf – und bis zum 31. Oktober 2026 noch die Tür der Filiale in der Großen Gasse offen.