Für die Rossmann-Filiale in Neukloster ist der letzte Verkaufstag der 2. Dezember 2026. Am 3. Dezember wird das Geschäft endgültig geschlossen. Eine Online-Petition gegen das Aus erhielt mehr als 1.400 Unterschriften – geholfen hat das am Ende nicht.

„Rossmann war zu keinem Gespräch bereit“, sagt Mitinitiator Andre Hanusch. Das Unternehmen hatte bereits im Juli angekündigt, die Filiale zum Jahresende aufzugeben. Vor dem Ende soll es noch einen Ausverkauf mit Rabatten geben. Wer also ohnehin Waschmittel, Schulhefte oder Haushaltsartikel braucht, dürfte in den letzten Tagen genauer auf die Preisschilder schauen.

Seit 2009 am Standort

Die Filiale besteht seit März 2009 und ist rund 600 Quadratmeter groß. Rossmann zufolge liegt der Grund für die Schließung nicht in der Größe des Marktes. Ausschlaggebend seien vielmehr wirtschaftliche Faktoren, die seit längerer Zeit nicht mehr stimmten. Für den Standort sehe das Unternehmen kein Zukunftspotenzial; der Mietvertrag werde deshalb nicht verlängert.

Für die Beschäftigten soll es weitergehen: Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen künftig in umliegenden Rossmann-Filialen arbeiten. Als Ausweichmöglichkeiten nennt Rossmann die Filialen in Wismar und Bützow.

Für die Einwohner von Neukloster bedeutet das trotzdem längere Wege – bei Drogerieartikeln, Haushaltswaren und Schreibwaren. Gerade die Filiale als Einkaufsort für Schulmaterialien und Dinge des täglichen Bedarfs war für viele schnell erreichbar. Ältere und weniger mobile Menschen könnten von der Schließung besonders betroffen sein.

Petition bleibt ohne Erfolg

Im Umfeld der Petition wurde darauf hingewiesen, dass Rossmann einen bedeutenden Anteil am regionalen Einzelhandel hat und zur lokalen Wirtschaft beiträgt. Eine Schließung könne Verbraucher, Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Entwicklung des Stadtviertels berühren. Lokale Geschäfte sind eben nicht nur Verkaufsstellen: Man geht hin, kennt die Wege, erledigt noch schnell etwas – und manchmal trifft man dabei auch jemanden aus dem Ort.

Als mögliche Alternativen zur Schließung wurden stärkeres Marketing, bessere Kostenkontrolle und eine Zusammenarbeit mit der Kommune genannt, um den Standort wirtschaftlicher zu gestalten. Am Ende blieb der Aufruf zur Unterstützung der Petition jedoch erfolglos. Mehr als 1.400 Unterschriften konnten die Entscheidung nicht drehen.

Wenn der nächste Laden zu weit weg ist

Die Situation in Neukloster passt in ein Muster, das aus vielen ländlichen Regionen bekannt ist. Einkaufsmöglichkeiten vor Ort werden weniger, Discounter und Supermärkte liegen oft außerhalb fußläufiger Entfernung. Kleinere Läden lassen sich wegen veränderter Bevölkerungsstrukturen, eines anderen Einkaufsverhaltens und der Konzentration auf größere Orte häufig nicht wirtschaftlich betreiben. Dazu kommen Personalmangel und fehlende Betriebsnachfolgen.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert deshalb mit „LandVersorgt – Neue Wege zur Nahversorgung in ländlichen Räumen“ Modellprojekte, die die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs, aber auch Teilhabe und Daseinsvorsorge verbessern sollen. Gerade ältere und wenig mobile Menschen sind auf lokale Angebote angewiesen. In einer bis zu zwölfmonatigen Konzeptphase entwickelten bundesweit 14 Modellprojekte Nahversorgungskonzepte. Dafür gab es jeweils bis zu 50.000 Euro Förderung; anschließend wird auch die Umsetzung einiger Konzepte unterstützt.

Die Ideen reichen von digital unterstützten oder mit anderen Dienstleistungen kombinierten Lieferdiensten bis zu Ladenmodellen, die teilweise oder vollständig ohne Personal auskommen. Das Programm wird durch den Deutschen Städte- und Gemeindebund begleitet und aus dem Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung, kurz BULEplus, finanziert.

Wie unterschiedlich solche Ansätze aussehen können, zeigen die geförderten Projekte: „Altmühl-Jura Regional Digital“ in Kinding, Bayern, arbeitet an einer regionalen Online-Bestellplattform mit angepasstem Logistiksystem. „BiWi Nahversorgung“ in Kirchlinteln, Niedersachsen, setzt auf die Modernisierung des Einkaufs mit Bürgerbeteiligung von Bierde bis Wittlohe. In Steinhöfel, Brandenburg, entstehen mit „DorfMarkt24“ Multifunktions-Dorfläden für Einkäufe ohne Auto.

Der „Hofer-LandLieferBus“ in Rehau, Bayern, prüft ein kombiniertes System für den Transport von Waren und Personen. „KORB“ in Thallwitz, Sachsen, verbindet eine Regionalmarke mit digitalen Bestellprozessen und einer regionalen Logistikstruktur samt „Food-Hub“. „LebensMittelPunkte“ in Nobitz, Thüringen, entwickelt nach einer Bedarfsanalyse in fünf Modelldörfern ein mobiles Netzwerk aus Nahversorgern und soziokulturellen Angeboten.

Weitere Beispiele sind „Lebens.Mittel.Punkte“ in Wolfhagen, Hessen, mit aktiven Dorfmittelpunkten für die lokale Nahversorgung, sowie „MONA LiSA“ als Verbundprojekt in Osterburg und Seehausen (Altmark), Sachsen-Anhalt. Dort sollen mobile Dienstleister über einen Dorfladen in die Logistikkette einer stationären Nahversorgung eingebunden werden.

„NordlippeVersorgt“ in Barntrup, Nordrhein-Westfalen, kombiniert Onlineshop, mobilen Dorfladen und Lieferdienst. „OMA“ in Filsum, Niedersachsen, vermarktet ostfriesische Lebensmittel und andere Erzeugnisse über einen Dorfladen und ein Online-Portal. „RegioLMP“ in der Samtgemeinde Elbtalaue/Dannenberg, Niedersachsen, arbeitet an einem übertragbaren Nahversorgungskonzept.

Mit „SMART-EMMA“ in Birkenfeld, Rheinland-Pfalz, werden smarte, modulare Versorgungsstationen zum Schließen von Versorgungslücken entwickelt; das Projekt befindet sich in Konzept- und Umsetzungsphase. „Stadt-Land-Drohne“ in Wusterhausen/Dosse, Brandenburg, untersucht und erprobt Lieferdrohnen ebenfalls in Konzept- und Umsetzungsphase. Die Drohne „Marktschwalbe“ absolvierte dort im Mai 2024 ihren ersten Flug.

In Nobitz wurde bei Mitmach-Festen außerdem untersucht, wie Nahversorgung, soziokulturelle Angebote sowie Wünsche und Bedürfnisse der Bevölkerung zusammenpassen. Für fünf Modelldörfer entwickelte „LebensMittelPunkte“ mit „dorfnah“ einen spielerischen Ansatz zur Bedarfsanalyse. Viel Papier, viele Gespräche – und hoffentlich Lösungen, die im Alltag auch wirklich ankommen.

Die Stärkung ländlicher Räume und gleichwertiger Lebensverhältnisse gehört zu den Kernaufgaben des BMEL. In ländlichen Regionen lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung. BULEplus unterstützt Projekte, die das Leben und Arbeiten auf dem Land zukunftsfähig machen. „LandVersorgt“ ist ein BULEplus-Baustein und wird vom Kompetenzzentrum Ländliche Entwicklung in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im Auftrag des BMEL umgesetzt.

Der zugrunde liegende BMEL-Artikel erschien am 21. November 2024. In Neukloster wird derweil am 2. Dezember 2026 zum letzten Mal bei Rossmann verkauft – danach führt der Weg für viele eben nach Wismar oder Bützow.