Schuh Bode schließt Lüneburger Filiale in der Grapengießerstraße bis Sommer 2027
In Lüneburg wird es künftig ein Schuh-Bode-Geschäft weniger geben: Die Filiale in der Grapengießerstraße 36 soll spätestens im Sommer 2027 aufgegeben werden. Firmenchef Christian Bode nennt rückläufige Umsätze und die wachsende Bedeutung des Onlinehandels als Gründe für die Entscheidung.
Ganz verschwindet das Familienunternehmen damit nicht aus der Stadt. Die Filiale in der Großen Bäckerstraße 21 wird weitergeführt. Die von der Schließung betroffenen Mitarbeiter sollen nach Angaben der „Landeszeitung“ weiterbeschäftigt werden – für sie ist das immerhin eine Nachricht mit etwas Boden unter den Füßen.
Seit 1979 in Lüneburg
Nach eigenen Angaben eröffnete Schuh Bode 1979 seine erste Filiale in Lüneburg. Das Familienunternehmen hat seinen Sitz in Wentorf bei Hamburg und betreibt weitere Standorte unter anderem in Hamburg, Lübeck, Berlin, Schwerin und Rostock.
Die Entwicklung in der Grapengießerstraße passt in ein Marktumfeld, in dem stationäre Händler genau hinschauen müssen: Welche Fläche trägt sich noch, wo bleiben Kundinnen und Kunden aus, und wie viel Geschäft wandert ins Netz? Eine einfache Rechnung ist das selten. Manchmal reicht schon eine veränderte Lauflage, manchmal kippt die Stimmung über Monate.
Branche zwischen Hausschuh, Sneaker und Barfußmodell
Wie breit die Themenlage im Schuhhandel inzwischen ist, zeigen die aktuellen Beiträge des schuhkurier. Am 7. Oktober 2026 äußerten sich Ingo Hänel und Anke Weiland jeweils mit Statement beziehungsweise Interview und Bildergalerie zum Hausschuhgeschäft. Wenige Tage zuvor, am 10. September, berichtete Garhammer über eine neue Inszenierung des Unternehmens; rund 1.000 Gäste besuchten die Veranstaltung in Waldkirchen.
Auch im Umfeld des 80-jährigen schuhkurier-Jubiläums und des AWARD 2026 war viel Bewegung: Am 4. September erschien eine Bildergalerie der Jubiläumsfeier mit den teilnehmenden Gästen, am 3. September neue Bilder vom Branchenevent. Der 2. September zeigte die Bilder der Jubiläumsfeier in Düsseldorf, am 1. September standen die Preisverleihung und das Branchenevent unter dem Titel „Sternstunden in Düsseldorf“ im Mittelpunkt. Ebenfalls am 1. September blickte der schuhkurier auf die Highlights der Feier zum 80-jährigen Bestehen von Sternefeld Medien zurück.
Von der CIFF in Kopenhagen, deren Veranstalter am 6. August 2026 eine insgesamt zufriedene Bilanz zogen, ging es über die Branchenparty der Düsseldorf Fashion Days am 30. Juli bis zu Barfußschuh-Styles von Barefoot am 27. Juli. Bei der Berlin Fashion Week präsentierte Rebekka Ruétz am 7. Juli eine Kollektion mit Skechers. Attica feierte am selben Tag sein 100-jähriges Bestehen und stellte Pläne für den weiteren Markterfolg vor.
Barfuß und Komfort tauchten auch im Juni mehrfach auf: Bianca Both eröffnete am 22. Juni ein zweites Schuhcafé Desenrasco mit einem ganzheitlichen Markenerlebnis. Caprice stieg am 19. Juni in das Barfußschuh-Segment ein und setzte auf Fußfreiheit, Komfort und modische Vielfalt. Tamaris Wide Fit präsentierte an diesem Tag Barfußschuhe mit Sichelleisten und Zertifizierung. Fitflop baute am 18. Juni das Südkorea-Geschäft mit einer exklusiven Partnerschaft mit Samsung C&T aus.
Daneben gab es reichlich Anlass für Rückblicke und Jubiläen: TS Brand Management zeigte am 15. Juni Bilder der Geburtstagsfeier am Gardasee während der Expo Riva Schuh. Ara startete am 9. Juni eine Kollaboration mit Kristin Soba, bei der Komfortschuhe mit emotionalem Mehrwert im Mittelpunkt standen. P&P Schuhvertrieb feierte am 1. Juni sein 35-jähriges Bestehen. Fitflop stellte an diesem Tag seine neue Kollektion vor, unter anderem mit Bezügen zu Haribo, Keith Haring und Pantone.
Beim Unitex-Fashionfestival am 22. Mai stand der Abend in der Donauhalle unter dem Motto „Bella Napoli“. Birkenstock eröffnete in Bologna einen Store, dessen Gestaltung eine Hommage an Terrakotta und das italienische Kulturerbe war. Balenciaga stellte am 21. Mai im Rahmen der World Design Capital 2026 mit einer Hommage an Cristóbal Balenciaga spanisches Schuhdesign heraus.
Was Händler und Hersteller beschäftigt
In Folge 030 des schuhkurier-Podcasts sprachen Marc Meyer und Bernd Schneider von SABU über ihre Arbeit im Category Management. Beide sichten Trends und geben den Mitgliedern Produktempfehlungen. Ihr Rückblick auf die Orderrunde Herbst/Winter 2025/26 drehte sich um die anhaltende Bedeutung von Sneakern, Trends nach dem Terrace-Stil, klassische Langschaftstiefel und die Kaufzurückhaltung männlicher Kunden. Schon wenige Wochen später sollten die ersten Kollektionssichtungen für Frühjahr/Sommer 2026 beginnen.
Christian Böhm, seit rund einem Jahr geschäftsführender Gesellschafter von Marco Tozzi und seit 15 Jahren bei der Wortmann-Gruppe tätig, schilderte in Folge 029 die Marktstimmung, Kollektionsentwicklung und den Austausch mit dem Handel. Böhm begann 2008 nach seinem Wirtschaftsstudium bei Marco Tozzi und übernahm 2017 eine Position in der Geschäftsführung. Auch die Zukunft klassischer Schuhmodelle neben Sneakern kam zur Sprache.
Digital-Coachin Sue Appleton berät im Digitalisierungsprojekt des Handelsverbands Nordrhein-Westfalen Händler zu Social Media, E-Commerce und Marketing. In Folge 027 ging es um typische Herausforderungen der Digitalisierung im Einzelhandel und um Maßnahmen zur Belebung des Weihnachtsgeschäfts. Simon Engelhorn, früher Gesellschafter und COO des Mannheimer Handelsunternehmens Engelhorn, berichtete in Folge 022 über Insage, das er mit zwei Partnern gründete. Das Unternehmen soll E-Commerce mithilfe künstlicher Intelligenz unterstützen: Die KI analysiert Daten, erkennt Nachfrageveränderungen und Kampagnenerfolge und gibt über einen Chat Handlungsempfehlungen. Zugleich ging es um sinnvolle Einsatzgrenzen künstlicher Intelligenz.
Stephan Stensky von Boost it, der Familie hinter dem Online-Shop Elbandi entstammend, warnte in Folge 014 vor einer zu starken Abhängigkeit von einzelnen Marktplätzen oder Plattformen. Sein Rezept: ein ausgewogener Channel-Mix, klare Positionierung, Storytelling, eine passende Newsletter-Frequenz und die Kontrolle von Erfolgskennzahlen. Regelmäßige Social-Media-Posts allein seien keine ausreichende Online-Strategie.
Mischa Krewer gründete zunächst den Blog „Sneakerized“ und später gemeinsam mit Oliver Baumgart den Sneaker-Retailer 43einhalb. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen rund 70 Mitarbeitende, betreibt Standorte in Fulda und Frankfurt sowie einen Online-Shop. Das Stammhaus in Fulda wurde im Vorjahr geschlossen; Krewer erläuterte die unterschiedliche Entwicklung der Standorte seit Beginn der Pandemie. Dazu kamen die Entwicklung des Sneaker-Marktes, seine Sammelleidenschaft für Lego und Klemmbausteine sowie die Faszination des Sammelns.
Im Gespräch mit Klaus und Heike Ullrich standen zwei unterschiedliche Wege in den Handel nebeneinander: Klaus führt den Laufschuhladen Main Ausdauershop, Heike das Schuhhaus Hufnagel in Alzenau. Sie stammt aus einer Schuhhändlerfamilie und übernahm das Geschäft ihres Bruders, während Klaus als Quereinsteiger über seine Leidenschaft für das Laufen in den Handel kam. Er bestieg den Mount Everest, erreichte den Gipfel am 21. Mai nach 62 Stunden ohne Schlaf und verbrachte insgesamt acht Wochen in Nepal. Außerdem ging es um Anpassungen in den Geschäften sowie weitere private und unternehmerische Pläne.
Günter Althaus, der frühere Vorstandsvorsitzende der ANWR Group, sprach über seinen beruflichen Weg vom Bankkaufmann und Genossenschaftsmanager zum Investor im Schuhhandel. Er berichtete über Erfahrungen mit Händlern und Herstellern, die Entwicklung der Branche und seinen Wechsel in eine andere Branche. Im Schuhhandel ist Althaus weiterhin vernetzt; unter anderem beschäftigt er sich mit Manuka-Honig.
Auch Unternehmensnachfolgen gehören zum Alltag der Branche. Leon und Thomas Hüser vom Schuhhaus Hölscher kamen als Quereinsteiger über familiäre Beziehungen in den Schuhhandel. Im Mittelpunkt stand die geplante Nachfolge durch Sohn Leon. Thomas und seine Frau Marlies Hüser planen für 2027 den Ausstieg, die Einarbeitung der Nachfolge läuft seit etwa zwei Jahren.
Bernd Herkenrath gründete nach seiner Tätigkeit im Marketing eine Werkstatt für die Aufarbeitung hochwertiger Schuhe. Nach dem erfolgreichen Verkauf gebrauchter Schuhe von Alden, Tricker’s und Allen Edmonds entstand die Idee eines Second-Hand-Geschäfts für hochwertige Schuhe. Classic Shoes Staufen arbeitet Schuhe auf und verkauft sie erneut, bietet zusätzlich Reparaturen und orthopädische Schuhversorgungen an und besteht seit fast zehn Jahren.
Nachhaltigkeit kommt dabei nicht nur über den Verkauf gebrauchter Ware ins Spiel. Dominik Egger von SchuBua verbindet Schuhreparatur und Live-Streaming. In seiner Werkstatt sind Kameras installiert, um die Arbeit live zu übertragen. Er sprach über seinen Weg zur Schusterei und seine Motivation, sich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Matthias Vickermann betreibt in Baden-Baden eine Schuhmacherei für rahmengenähte und maßgefertigte Schuhe. Sein Online-Konzept „Shoedoc“ ermöglicht das Einsenden von Schuhen zur Reparatur; über „Pursenurse“ bearbeitet das Team inzwischen auch Taschen und Lederwaren. Die Dienstleistungen werden ebenfalls Unternehmen angeboten, etwa für Reklamationsfälle.
Lais Kriwat berichtete über 3D-Druck und additive Lösungen in der Orthopädieschuhtechnik. Bereits als Schüler testete er Möglichkeiten des 3D-Drucks. Im Podcast ging es außerdem um die praktische Umsetzung, die Einbindung der Mitarbeitenden und seinen Einstieg in die Geschäftsleitung des Familienunternehmens.
Christiane Schroer führt das Schuhhaus Wilhelm Schämann in Haltern am See. Sie sprach über die Zusammenarbeit mit ihrem Vater, eigene unternehmerische Ideen und ihren beruflichen Antrieb. Chantal Sebrantke erklärte als Visual-Merchandising-Expertin, wie Verkaufsflächen, Schaufenster und Warenpräsentationen gestaltet werden können – vom Goldenen Schnitt über die gezielte Förderung bestimmter Warengruppen bis zur Nutzung kleiner Verkaufsflächen. Auch die Frage, welche Anregungen der Handel von großen Ketten übernehmen kann, gehörte dazu.
Thomas Bauerfeind, geschäftsführender Gesellschafter des Bequem- und Hausschuhherstellers Berkemann in Zeulenroda, wuchs in der Familienwohnung über dem Sitz des Hilfsmittelherstellers Bauerfeind auf und sollte das Unternehmen in vierter Generation übernehmen. Sein Weg zu Berkemann wurde unter anderem durch einen Streit mit seinem Vater, kurzfristige berufliche Änderungen und seine damalige Computerspielleidenschaft geprägt. Im Podcast verglich er die Schuh- und Hilfsmittelbranche.
Andreas Schaller sprach für Lloyd über die Wertigkeit von Schuhen, Kundenbindung sowie Herren- und Damenschuhe. Lloyd startete außerdem ein Segment für Fahrradschuhe. Schaller sah Nachholbedarf bei klassischen Herrenschuhen, erwartete aber keine Rückkehr zu den Marktbedingungen vor der Pandemie. Bei Damenschuhen sollten modische Akzente ausgebaut werden, ohne klassisch orientierte Kundinnen auszuschließen. Steigende Schuhpreise, nachhaltige Kundenbegeisterung und Markenschutz waren weitere Themen.
Ralf Balonier berichtete über das vergleichsweise stabile Kinderschuhsegment während der Pandemie. Händler vermassen Kinderfüße vor Geschäften und lieferten Schuhe teilweise per Fahrrad aus. Salamander unterstützte den Handel trotz weiterhin gestörter Lieferketten; für Lurchi waren Handelsaktionen und eine weitere Folge der Comic-Abenteuer geplant.
Das 1934 gegründete Schuhhaus Hittcher befindet sich in Familienhand und wird seit 2000 von Marko und Volker Höhne geführt. Seit 2015 ist Marcus Höhne als vierte Generation beteiligt. Das Unternehmen betreibt Fachgeschäfte sowie Mono- und Duomarkenstores und arbeitet unter anderem mit Gabor, Ecco und Skechers zusammen. Höhne schilderte die Auswirkungen von Pandemie, Online-Boom, Kaufzurückhaltung und den Folgen des Kriegs in der Ukraine.
Yvonne Breinlinger-Scheuring und Sylvia Klemens von Solidus und Waldläufer sprachen über die Orderrunde und die Planung kommender Kollektionen. Mode und Komfort, die Stimmung auf den Messen, Pandemie und angespannte Lieferketten standen im Mittelpunkt. Das Gespräch wurde vor dem 24. Februar aufgezeichnet; der Krieg in der Ukraine wurde daher nicht behandelt.
Hans-Hermann Deters schied nach mehr als 30 Jahren in der Schuh- und Sportartikelbranche als Geschäftsführer von Sport 2000 aus und ging in den Ruhestand. Zuvor war er unter anderem bei Reebok und Ara tätig. Seine Führungsrolle beschrieb er als die eines Trainers, der Mitarbeitende und deren Potenzial entwickeln wollte. Im Gespräch verglich er Schuh- und Sportbranche und sprach über künftige Herausforderungen sowie private Pläne.
Achim Gabor berichtete, dass sein Unternehmen nach zwei schwierigen Jahren 2022 Umsatz und Paarzahl steigerte. Für 2023 erwartete er keine großen Umsatzsteigerungen und kündigte eine stärkere Kontrolle der Kostenstrukturen an. Entlassungen seien nicht geplant gewesen, stattdessen suche das Unternehmen Fachkräfte. Gabor rechnete mit weiteren Insolvenzen im Handel und in der Schuhindustrie und nannte neue Exportmärkte als mögliche Strategie. Margen, Mitbewerber, Messen, der Fachhandel und die Perspektiven von Pius Gabor gehörten ebenfalls zu den Themen.
Bei Fiege Now ging es um Logistiklösungen für kleinere Unternehmen. Swing2Sleep vermietet Federwiegen und Babymöbel und lagerte wegen des hohen Versand- und Rücksendeaufwands seine Logistik aus. Beide Unternehmen berichteten über den Start der Zusammenarbeit, anfängliche Bedenken und die Unterschiede zum regulären Fiege-Angebot.
Der Onlinehandel bleibt ein Druckpunkt
Die Zahlen des IFH KÖLN und der BBE Handelsberatung liefern den größeren Rahmen. Der deutsche Schuhmarkt erreichte 2023 ein Marktvolumen von 9,6 Milliarden Euro. Gegenüber 2022 war das ein Umsatzwachstum von 3,8 Prozent, zugleich lag der Wert noch unter dem Vorkrisenniveau von 2019 mit 9,9 Milliarden Euro.
Die privaten Konsumausgaben für Schuhe entwickelten sich angesichts steigender Verbraucherpreise schwächer als die allgemeinen Konsumausgaben. Stationäre Filialisten erzielten 2023 dennoch 48 Prozent des Schuhmarktumsatzes. Der Onlinehandel kam auf einen Marktanteil von 35 Prozent und verlor gegenüber der vorherigen Entwicklung leicht an Bedeutung; sein Onlineumsatz blieb aber auf hohem Niveau.
IFH KÖLN und BBE Handelsberatung erwarten bis 2028 ein stetiges, langsames Wachstum des Gesamtmarktes. Nach den Hochrechnungen vom April 2024 sollte das Vorkrisenniveau von 9,9 Milliarden Euro im Jahr 2025 wieder erreicht werden. Zugleich sollen sich die stationären Nachholeffekte in den kommenden Jahren abschwächen, während der Onlinehandel anschließend wieder Marktanteile hinzugewinnen soll.
Die Aussagen stammen aus dem „Branchenbericht Schuhe 2024“ des IFH KÖLN in Zusammenarbeit mit der BBE Handelsberatung. Der Bericht basiert auf amtlichen Quellen des Statistischen Bundesamtes, enthält eine Rückschau bis 2017 und eine Prognose des Gesamtmarktvolumens bis 2028. Für Schuh Bode in Lüneburg heißt das ganz praktisch: Eine Filiale schließt spätestens im Sommer 2027, die andere bleibt – und in der Grapengießerstraße 36 werden bis dahin noch einige Schuhe über den Ladentisch gehen.
