Das Städel Museum in Frankfurt und die Drogeriekette dm machen gemeinsame Sache: Seit Donnerstag, 22. Oktober 2026, laden beide zu 30-minütigen digitalen „Kunstpausen“ ein. Das Angebot läuft online über Zoom, ist kostenfrei und soll Kunst mit Fragen verbinden, die im Alltag ohnehin auftauchen – Familie, Gesundheit, Konsum, Klima und die Suche nach Zuversicht.

Unter dem Motto „Kunst macht Mut“ richtet sich die Reihe ausdrücklich auch an Menschen, die bisher wenig Kontakt mit Kunst hatten. Eine Kunstvermittlerin des Städel Museums stellt ausgewählte Werke vor und fragt gemeinsam mit den Teilnehmenden: Was erzählen diese Bilder über die heutige Welt? Welche Gedanken und Gefühle lösen sie aus? Und was hat das mit dem eigenen Leben zu tun?

Fünf Themen, fünf digitale Pausen

Geplant sind fünf öffentliche Online-Kunstpausen von Oktober bis Dezember. Jede widmet sich einem eigenen Thema: „Frauengesundheit“, „Konsum“, „Natursehnsucht“, „Familie“ und „Zuversicht“. In der konkreten Reihe geht es unter anderem um „Familie im Wandel“, „Frauengesundheit“, „Klimasorge und Natursehnsucht“, „Konsum im Alltag“ und die „Suche nach Zuversicht“.

Die Grundlage bildet die Sammlung des Städel Museums mit Werken aus mehr als 700 Jahren – vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Zu sehen sind unter anderem Arbeiten von Andreas Achenbach, Thomas Bayrle, Claude Monet, Lotte Laserstein und Rembrandt Harmensz. van Rijn. Nicht die kunsthistorische Prüfung steht dabei im Vordergrund, sondern die Wirkung der Werke, ihre Aussagen und ihre Bedeutung für Alltag und gesellschaftliches Miteinander.

Mitmachen ist nicht bloß Zuschauen. Ein Live-Chat bietet Platz für Reaktionen, eigene Beiträge und den Austausch mit anderen. Die Anmeldung läuft über dm.de/kunstpause.

Termine und ein Format mit Vorgeschichte

Die erste öffentliche Kunstpause fand am Donnerstag, 22. Oktober, um 12:30 Uhr unter dem Titel „Frauengesundheit im Fokus“ statt. Am Donnerstag, 5. November, folgt um 19:30 Uhr „Klimasorge und Natursehnsucht – Zuversicht finden“. Die fünf öffentlichen Termine verteilen sich auf den Zeitraum von Oktober bis Dezember; das Format selbst war bereits im August zunächst für dm-Mitarbeiter gestartet.

dm ordnet die Kooperation in seine Bildungs- und Teilhabeangebote im künstlerischen Bereich ein. Geschäftsführerin Kerstin Erbe sagt, schon eine kurze Beschäftigung mit Kunst könne neue Perspektiven eröffnen. Städel-Direktor Philipp Demandt verweist auf den Ausbau des digitalen Bildungs- und Vermittlungsangebots des Museums. Die Partnerschaft soll den gesellschaftlichen Bildungsauftrag des Städel mit der Alltagsnähe von dm verbinden und mehr Menschen für Kunst interessieren – auch jene, die sich sonst vielleicht nicht in ein Museum verirren.

Digitale Kulturvermittlung braucht mehr als einen Bildschirm

Der Blick nach Bayern zeigt, in welchem größeren Zusammenhang solche Angebote stehen. Kunstminister Markus Blume betont, Kunst solle jederzeit, barrierefrei und für alle zugänglich sein. Digitale und analoge Angebote müssten dabei zusammenspielen. Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst unterstützt deshalb Museen, Bibliotheken, Archive, Theater sowie Kunst- und Kulturschaffende bei der digitalen Transformation.

Am 22. Oktober 2026 veranstaltet das StMWK von 9:30 bis 13:30 Uhr das digitale Barcamp „All in? – Digitale Transformation zwischen Teilhabe und Infrastruktur“. Im Mittelpunkt steht die digitale Transformation als umfassender Prozess kultureller Einrichtungen – nicht als Einzelprojekt und auch nicht als zusätzliche Social-Media-Maßnahme. Besprochen werden Zugänge und Teilhabe, Kommunikation und digitale Kompetenzen, Arbeitsprozesse und Organisationskultur sowie Strategie und technische Infrastruktur. Geplant sind Strategien, Anwendungsbeispiele und Best Practices; mögliche Sessions drehen sich unter anderem um Künstliche Intelligenz, digitale Plattformen, Projekte, Strategien und Strukturen, digitale Kompetenzen und Inklusion.

Praktischer wird es am 28. Oktober 2026 von 10:00 bis 11:30 Uhr im Web-Seminar „Projektmanagement & Prozessmanagement im Digitalen“. Swantje Dogunke von der ThULB Jena und Thomas Bäurle, Qualitätsmanagementbeauftragter der Staatstheater Stuttgart, sprechen darüber, wie Projektergebnisse nach dem Abschluss weitergeführt, dauerhaft finanziert und organisatorisch verankert werden können. Dazu gehören vorausschauende Planung, klare Erwartungen und Leistungen, die Steuerung von Entwicklungen, Risikobegrenzung und der Umgang mit Unvorhergesehenem. Bäurle stellt außerdem das Prozessmanagement der Württembergischen Staatstheater Stuttgart vor – zwischen künstlerischer Freiheit, Budgets, Auslastungszahlen, Standards und laufender Veränderung.

Am 26. November 2026 folgt von 9:30 bis 13:30 Uhr das Web-Seminar extended „Digitale Kommunikationsstrategien“ mit Daniela Vey und einer weiteren, noch nicht benannten Person. Ressourcenschonende Planung, die Priorisierung von Kanälen, Kooperationen, die Wiederverwendung bestehender Inhalte und zielgruppengerechte digitale Kommunikation stehen auf dem Programm. Daniela Vey spricht über klare Rollen, Abstimmungswege, Redaktionsplanung und die bekannten Zeitverluste zwischen Idee, Freigabe und Veröffentlichung. In einem Workshop geht es zusätzlich um Kommunikationsziele, Prioritäten bei Zielgruppen, Kanälen und Inhalten sowie um Redaktionsplanung, Kooperationen und Content-Recycling.

Von digitalen Museen bis zum „ASMetaverse“

Wie breit das Feld inzwischen ist, zeigte die hybride Abschlusspräsentation der dritten Förderrunde von „kultur.digital.vermittlung“ 2023–2025 unter dem Titel „SPOTLIGHT³ #KulturDigitalVermittlung“. Vorgestellt wurden neue Digitalstrategien, Spiele, Augmented-Reality-Anwendungen und Prototypen. Lukas Baueregger und Benjamin Seuffert vom Digitaltheater beziehungsweise Staatstheater Augsburg gaben Impulse zum Aufbau einer Digitalsparte am Theater in Frauenau, zu hybriden Kulturformaten in München sowie zu Live-Performance und digitalen Technologien in Selb. Das „kultur.digital.lab“ bot an den Veranstaltungsorten Raum für Austausch, Vernetzung, Brainstorming und die Erkundung der jeweiligen Häuser.

Das Anschlussprogramm „kultur.digital.strategie“ startete im Herbst 2024 in die zweite Runde. Es unterstützt staatliche Kulturinstitutionen dabei, digitale Strategien umzusetzen und nachhaltig zu verankern. Digitale Experimente sollen weiterentwickelt und professionalisiert, digitale und analoge Angebote nutzerorientiert verbunden werden.

Weiter unterstützt werden alle sechs Institutionen der Förderrunde „kultur.digital.vermittlung“ 2022–2024: Die Archäologische Staatssammlung entwickelt im „ASMetaverse“ ein virtuelles „Museum der Zukunft“ mit digitalen Räumen für Ausstellungen und Präsentationen. Der Medienguide der analogen Ausstellung soll durch Künstliche Intelligenz und optische Objekterkennung erweitert werden.

Das Bayerische Armeemuseum arbeitet an der digitalen Profilierung des Museums im Neuen Schloss, des Museums des Ersten Weltkriegs und des Bayerischen Polizeimuseums. Die analogen Präsentationen sollen durch eine umfangreiche digitale Präsenz ergänzt werden, mit zusätzlichen Informationen zu Sammlungen, Provenienzen und Museumsarbeit sowie einer stärkeren Vernetzung mit anderen Sammlungen.

Im Deutschen Theatermuseum widmet sich eine Sonderausstellung technischen Erneuerungen und der Zukunft des Theaters. Digitale und performative Praktiken gehören ebenso dazu wie neue theaterhistorische Quellen, darunter „Digital Born Objects“, und deren Erschließung und Sammlung.

Das Museum für Franken will digitale Besucherinnen und Besucher als vollwertige Gäste einbeziehen. Vorgesehen sind interaktive Erlebnisse vor Ort und im digitalen Raum. Bis 2025 sollten digitale Werkzeuge das Besuchsverhalten analysieren; ab Ende 2025 sind verstärkte digitale Interaktionen geplant, unter anderem über eine Medienstation in der archäologischen Abteilung. Chatbots und eine Online-Sammlung sollen barrierefrei zugänglich sein. Auch der Ausbau der Social-Media-Präsenz ab 2025 gehört zur digitalen Strategie.

Beim Neuen Museum Nürnberg entsteht die Plattform „NMN digital“. Eine Augmented-Reality-Anwendung soll die Erkundung der Museumsarchitektur ermöglichen und eine digitale Verbindung zwischen analogem Museumsbesuch, digitalen Inhalten und Vermittlungsformaten schaffen.

Die Sammlung Goetz plant, ab 2025 zentrale digitale Kunstvermittlungsplattformen auszubauen und um neue Formate zu ergänzen. Für die Web-App sind ortsspezifische Funktionen, AR-Formate und neue Kinderführungen vorgesehen. Die Online-Sammlung soll eine größere Auswahl an Werken zeigen. Neues Branding, eine gezielte Kommunikationsstrategie und Marketingkooperationen sollen die strategische Positionierung und die Ansprache neuer Zielgruppen unterstützen.

Beratung, Austausch und weitere Informationen

Für die staatlichen Museen in Bayern arbeitet das Kompetenzcluster Digitalisierung im Kulturbereich mit Schwerpunkt Museum an der neu gegründeten Staatlichen Museumsagentur Bayern. Unter Leitung der Koordinierungsstelle für Digitalisierung in Kunst und Kultur des StMWK begleiten vier Digitalkuratorinnen und Digitalkuratoren den Veränderungsprozess und die Digitalisierungsoffensive: Nina Maria Reichel, Matthias Göggerle, Marcel Klein und Nina Schuster. Ziel ist, die digitale Transformation der bayerischen Museumslandschaft im Austausch mit den einzelnen Häusern aktiv mitzugestalten. Kontakt: kultur.digital@stmwk.bayern.de.

Das StMWK bietet außerdem den Newsletter „Infopost kultur.digital“ an, der über Digitalisierung in Kunst und Kultur, besonders über digitale Kulturvermittlung, informiert. Auf der Informationsseite finden sich Veranstaltungen, die Programme „kultur.digital.vermittlung“ und „kultur.digital.strategie“, das Kompetenzcluster, Runde Tische, Downloadmaterialien und weiterführende Links.