Bei Tegut wird es konkret: Edeka, Rewe und Tante Enso übernehmen insgesamt 252 Märkte. Die Betreiberwechsel können nun schrittweise beginnen. Für Kundinnen und Kunden heißt das vor allem: neue Schilder, andere Sortimente und in manchen Orten eine kurze Einkaufspause.

In Bad Salzschlirf, Hünfeld in der Josefstraße sowie in Fulda an der Rabanusstraße, im Emaillierwerk und in den Kaiserwiesen wechselt der Betreiber am 1. November. Nach einer kurzen Schließung sollen die Märkte am 5. November wieder öffnen. Edeka Hessenring übernimmt diese Standorte.

Netto übernimmt viele Tegut-Standorte

Edeka gibt 35 Teo-Läden an das Start-up Yobsti und 60 Tegut-Standorte an die Tochtergesellschaft Netto ab. Netto will im Zuge der Tegut-Übernahme 57 bestehende Standorte und drei Märkte im Bau in sein Filialnetz integrieren. Rund 1.200 Tegut-Beschäftigte sollen von Netto übernommen werden. Die Umstellung erfolgt schrittweise.

Zu den künftigen Netto-Standorten gehören Bad Salzschlirf und das Areal an der Breitunger Straße in Petersberg. Dort soll auf dem Gelände der früheren Tegut-Zelte ein neuer Netto-Markt entstehen. Ein Schild weist allerdings weiterhin auf einen Tegut-Neubau mit geplanter Eröffnung im Herbst 2026 hin. Netto bestätigt die Neubaupläne, nennt aber noch keinen verbindlichen Fertigstellungstermin.

Von den 252 übernommenen Tegut-Märkten entfallen 178 auf Edeka, 38 auf Rewe und 36 auf Tante Enso. Für 36 Tegut-Filialen gibt es weiterhin keinen Käufer. Dazu zählen Standorte in Horas, Neuhof und am Niedertor in Hünfeld. Migros teilte mit, dass für diese Märkte ein weiteres Bieterverfahren läuft. Wer Interesse hat und wann das Verfahren abgeschlossen wird, ist bislang nicht bekannt. Für den Hünfelder Markt kursieren Gerüchte über einen Einzug der Kette Action; Action bestätigt das nicht.

Was das Kartellamt genehmigt hat

Das Bundeskartellamt gab die Übernahme von 178 Tegut-Lebensmittelmärkten und weiteren Unternehmensteilen durch EDEKA frei. EDEKA darf 24 weitere Tegut-Standorte vier Jahre lang nicht erwerben. Das gilt für die gesamte EDEKA-Gruppe einschließlich Regionalgesellschaften und selbstständiger Einzelhändler. Das Erwerbsverbot umfasst auch Miet- und Anschlussmietverträge. In Bad Neustadt gilt es für den Betrieb eines Lebensmitteleinzelhandelsstandorts, nicht für den Erwerb der Immobilie.

Ursprünglich wollte EDEKA 202 Tegut-Märkte, 41 automatisierte Teo-Standorte, die Herzberger Bäckerei und ein Logistikzentrum übernehmen. Das Bundeskartellamt prüfte das Vorhaben seit März 2026 und übermittelte Ende Juli eine vorläufige wettbewerbliche Bewertung. Ohne Zusagen hätte der Zusammenschluss in 34 regionalen Märkten in Hessen, Thüringen, Nordbayern und Baden-Württemberg den Wettbewerb erheblich behindert. In neun dieser Markträume wäre eine Entstehung oder Verstärkung einer marktbeherrschenden Stellung EDEKAs zu erwarten gewesen.

Durch den Verzicht auf die 24 Standorte werden die Bedenken in 24 Markträumen unmittelbar und in zehn weiteren durch Überschneidungen mit benachbarten Märkten ausgeräumt oder reduziert. Die vierjährige Frist soll ermöglichen, dass die betroffenen Standorte außerhalb der EDEKA-Gruppe weiterbetrieben werden können. Wer sie künftig betreibt, legt die Entscheidung nicht fest.

Am 20. Juli 2026 hatte EDEKA zunächst ein aus Sicht des Bundeskartellamts unzureichendes Zusagenangebot vorgelegt. Nach weiteren Verhandlungen reichte EDEKA am 14. September 2026 ein erweitertes Angebot ein, das als ausreichend bewertet wurde. Im Juni 2026 hatte das Kartellamt bereits die Übernahme von 36 überwiegend kleineren Tegut-Standorten durch Tante Enso Süd-West freigegeben.

Die 24 Standorte, die EDEKA vier Jahre lang nicht erwerben darf:

  1. Aalen, Am Tannenwäldle 2, 73431
  2. Alsfeld, An der Au 10, 36304
  3. Bad Langensalza, Marktstraße 25, 99947
  4. Bad Neustadt, Saalestraße 2, 97616*
  5. Erfurt/Marbach, Bergener Straße 18, 99092
  6. Geisa, Gartenweg 3, 36419
  7. Gerbrunn, Am Kirschberg 5, 97218
  8. Heiligenstadt, Brüsseler Straße 1, 37308
  9. Hünfeld, Am Niedertor 2–8, 36088
  10. Kassel, Frankfurter Straße 86, 34121
  11. Kassel, Friedrich-Ebert-Straße 29, 34117
  12. Kassel, Wilhelmshöher Allee 262, 34131
  13. Kirchhain, Mühlgasse 11, 35274
  14. Korbach, Briloner Landstraße 4–6, 34497
  15. Neuhof, Hanauerstraße 1, 36119
  16. Oberelsbach, Oberwaldbehrunger Straße 20, 97656
  17. Rainrod, Mühlstraße 23, 63679
  18. Riedstadt, Lise-Meitner-Straße 2, 64560
  19. Sachsenberg, Frankenberger Straße 12, 35104
  20. Schonungen, Ludwig-Grobe-Straße 3, 97453
  21. Tauberbischofsheim, Krautgartenweg 6, 97941
  22. Würzburg, Frankfurter Straße 18, 97082
  23. Würzburg-Estenfeld, Am Zehnthügel 2, 97230
  24. Zella-Mehlis OT Benshausen, Benshäuser Straße 12, 98544

Neue Sortimente, offene Logistikfragen

In den von Edeka übernommenen Märkten sollen vom 1. bis 5. November notwendige Arbeiten erledigt werden. Für Kunden dürfte sich vor allem das Sortiment ändern: günstige Einstiegsprodukte, bekannte Marken, Edeka-Eigenmarken und Bio-Produkte kommen ins Regal. Edeka will den Bio-Bereich ausbauen und die Sortimente an die jeweiligen Standorte und Kundenbedürfnisse anpassen. Je nach Markt sind außerdem Modernisierungen und Umbauten geplant; Zeitpunkt und Umfang stehen noch nicht fest.

Das Logistikzentrum in Michelsrombach soll weitergenutzt werden. Dort sollen 120 Arbeitsplätze erhalten bleiben, die künftige Rolle des Standorts im Logistiknetz ist aber noch offen. In Melsungen baut Edeka derzeit ein weiteres Logistikzentrum.

Die Tegut-Zentrale am Gerloser Weg in Fulda soll im März 2027 geschlossen werden. Wie die Immobilie danach genutzt wird, ist ungeklärt. Für die Herzberger-Bäckerei kündigt Edeka ein mögliches Fortführungskonzept an, nennt aber noch keine Details.

Rewe hat seine Pläne für die Tegut-Filialen in Dipperz, Eichenzell, Haimbach, Fulda-Maberzeller Straße und Marbach noch nicht bekanntgegeben. Die geplante Übernahme weiterer Tegut-Standorte durch Rewe wird vom Bundeskartellamt weiterhin geprüft; die verlängerte Prüffrist läuft bis zum 29. Oktober 2026. Eine Entscheidung steht noch aus.

Warum der Markt so genau beobachtet wird

Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel vereinten EDEKA, REWE, Schwarz-Gruppe und ALDI 2025 zusammen mehr als 90 Prozent des Umsatzes. EDEKA kam auf rund 30 Prozent, die Schwarz-Gruppe auf rund 25 Prozent, REWE auf rund 22 Prozent und ALDI Nord und Süd auf rund 15 Prozent. Zwischen den großen Händlern herrscht intensive Wettbewerbsbeobachtung; bei Teilen des Sortiments ist die Preisgleichheit hoch. Preisänderungen gingen in der Vergangenheit häufig von ALDI aus, zuletzt wurden häufiger erste Preisänderungen durch Lidl beobachtet.

Die Margen stiegen während der Corona-Pandemie deutlich und gehen seit spätestens 2022 zurück. Bei den vier großen Handelsgruppen liegen sie im Durchschnitt trotzdem weiterhin über dem Vor-Corona-Niveau. Laut Bundeskartellamt bewegen sich die durchschnittlichen Margen im Lebensmitteleinzelhandel im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Eine einzelmarktübergreifende kollektive Marktbeherrschung der führenden Händler auf den Absatzmärkten wurde nicht festgestellt. Dagegen sprechen laut Prüfung insbesondere fehlende Verbindungen und Lieferbeziehungen zwischen den großen Händlern, tatsächlicher Wettbewerb und geringe Margen.

Auf den Beschaffungsmärkten verfügt EDEKA über eine starke Stellung. Für manche Markenhersteller sind EDEKA und REWE als Abnehmer einzeln kurzfristig kaum ersetzbar. Diese relative Nachfragemacht kann in Missbrauchsverfahren relevant sein, reicht aber nicht für ein Fusionsverbot aus. Der durch Tegut hinzukommende Anteil am gesamten inländischen Beschaffungsvolumen beträgt weniger als 0,4 Prozentpunkte. Die Bedeutung Teguts als eigenständiger Nachfrager und als Mitglied der Einkaufskooperation Retail Trade Group, kurz RTG, wurde als überschaubar bewertet. Eine erhebliche Wettbewerbsbehinderung auf den Beschaffungsmärkten wurde daher nicht erwartet.

EDEKA verpflichtete sich, im Zusammenhang mit der Übernahme keine Konditionen ohne angemessene Gegenleistung, also keine „Hochzeitsrabatte“, zu verlangen. EDEKA und Tegut erklärten außerdem, keinen Bestwertabgleich anzustreben. EDEKA soll keinen Zugriff auf Teguts Beschaffungskonditionen, insbesondere der RTG, erhalten. Auch auf den Beschaffungsmärkten stellte das Bundeskartellamt keine kollektive Marktbeherrschung der führenden Unternehmen fest.

Der Lebensmitteleinzelhandel ist die umsatzstärkste Branche im deutschen Einzelhandel. Verkauft werden hauptsächlich Lebensmittel, häufig ergänzt durch Near-Food-Produkte wie Reinigungsmittel. Im stationären Handel gibt es vier Betriebsformen: Supermärkte, Discounter, Verbrauchermärkte und SB-Warenhäuser.

Die größten Marktanteile haben Lebensmittel-Discounter, darunter Aldi und Lidl. Führendes Einzelhandelsunternehmen ist die Hamburger Edeka-Gruppe mit Edeka und Netto Marken-Discount; Erfolge erzielt Edeka insbesondere mit seinem Vollsortimenter. Größter Konkurrent ist die Rewe-Gruppe mit Rewe und Penny. Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel ist stark konzentriert – internationale Händler wie Walmart konnten sich deshalb in Deutschland nicht dauerhaft etablieren.