Vom Ferienjob in die Doppelspitze: Sascha Zahner rückt bei Müller an die Seite des Gründers
Bei Müller verschiebt sich die Verantwortung an der Spitze. Der Drogeriekonzern hat Sascha Zahner zum zweiten Geschäftsführer neben Gründer und Inhaber Erwin Müller ernannt. Zahner ist 39 Jahre alt, Müller steht in seinem 95. Lebensjahr. Die neue Doppelspitze soll die künftige Handlungsfähigkeit des Unternehmens sichern.
Knapp vier Jahre lang war Erwin Müller alleiniger Geschäftsführer. Nun will er sich nach Unternehmensangaben auf die wesentlichen unternehmerischen Entscheidungen konzentrieren. Der Schritt wirkt nüchtern, ist aber für ein Unternehmen dieser Größe durchaus ein Einschnitt: Müller ist in neun europäischen Ländern mit mehr als 950 Filialen vertreten und beschäftigt rund 35.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Vom Ferienjob in die Geschäftsführung
Zahners Weg im Unternehmen begann Anfang der 2000er-Jahre mit einem Ferienjob in der Logistik. Es folgten ein duales Studium, die Betriebsleitung für Logistikprozesse und später die Leitung des Einkaufs. Zuletzt gehörte der 39-Jährige dem Managementkreis an. Aus dem Lager in die Chefetage – bei Müller ist das keine kleine Runde.
Seinen bisherigen Verantwortungsbereich behält Zahner auch als Geschäftsführer. Dazu gehören der Einkauf außerhalb des Drogeriesegments, Marketing, Nachhaltigkeit und Prozesssteuerung. Die Aufgaben bleiben also nah am operativen Geschäft, dort, wo Lieferketten, Sortimente und Abläufe täglich ineinandergreifen.
Der Managementkreis war im Frühjahr zu einer siebenköpfigen Geschäftsleitung unter Sprecherin Elke Menold umgebildet worden. Menold bleibt Sprecherin der Geschäftsleitung und damit das Gesicht des Unternehmens nach innen und außen. Außerdem ist sie Vorsitzende der Privatstiftung.
Umsatz legt zu, Rendite bleibt unter Druck
Im Geschäftsjahr bis Ende Juni stieg der Netto-Umsatz um 3,8 Prozent auf 5,41 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern, das EBIT, blieb mit 191 Millionen Euro nahezu unverändert. Eine neue Software sowie Investitionen in Digitalisierung und Logistik belasteten die Rendite.
Für die Filialen und Standorte bedeutet das: Hinter den Regalen mit Drogerieartikeln, Spielwaren oder anderen Sortimenten laufen immer mehr digitale und logistische Prozesse. Die Investitionen kosten zunächst Geld – und müssen sich im Alltag erst bewähren, wenn Waren pünktlich eintreffen und die Abläufe hinter den Kulissen nicht ins Stocken geraten.
Vom Friseurgeschäft zum europäischen Filialnetz
Die Geschichte der Müller-Unternehmensgruppe umfasst 70 Jahre. Begonnen hat sie mit einem zunächst bescheidenen Friseurgeschäft des Gründers Erwin Müller. Anfang der 1970er-Jahre verwirklichte er ein neues Konzept für Selbstbedienungs-Drogeriemärkte.
Ursprünglich orientierte sich die Idee am Vorbild amerikanischer Drugstores. Müller entwickelte dieses Vorbild weiter und entfernte sich im Laufe der Zeit davon. Nach Darstellung der Unternehmensgeschichte veränderte das neue Drogeriemarkt-Konzept das Selbstverständnis der Branche grundlegend. Die wichtigsten Stationen dieser Entwicklung stellt der entsprechende Rückblick des Unternehmens dar.
Jetzt kommt mit Sascha Zahner einer aus den eigenen Reihen an die Seite des Gründers. Er kennt Logistik, Einkauf und die internen Wege – und übernimmt zugleich Verantwortung in einer Unternehmensgruppe, deren Zahlen längst weit über den einzelnen Markt hinausreichen.
