Wer Zahnpasta oder Duschgel nachkaufen muss, soll das bei dm künftig womöglich nicht mehr selbst erledigen müssen. Der Drogeriekonzern plant, einen KI-gestützten Einkaufsassistenten in seine offizielle App zu integrieren. Der Start des KI-Agenten ist für Anfang 2027 vorgesehen.

dm bezeichnet den Schritt als Einstieg in das sogenannte „Agentic Commerce“. Kunden sollen alltägliche Einkäufe automatisiert erledigen lassen können. Damit das zuverlässig funktioniert, braucht die künstliche Intelligenz allerdings präzise und strukturierte Produktdaten. Deshalb hat dm seine Zulieferer zur vollständigen und laufenden Pflege der Produktinformationen aufgefordert.

KI hilft beim Einkauf – entscheiden soll vorerst meist noch der Mensch

Hinter dem Vorhaben steht die Erwartung, dass digitale Assistenten künftig häufiger eigenständig Kaufentscheidungen vorbereiten oder ausführen. Eine im Juli 2026 veröffentlichte Deloitte-Studie zeigt bereits, wie verbreitet KI beim Einkaufen ist: 52 Prozent der befragten Verbraucher in Deutschland nutzen demnach schon entsprechende Anwendungen.

Am häufigsten geht es um Produktsuche, Preisvergleich und die Auswertung von Kundenbewertungen. Nur knapp sechs Prozent der Befragten in Deutschland wären laut Studie bereit, auch die Kaufentscheidung oder den Bezahlvorgang vollständig an eine KI zu delegieren. KI ist beim Shoppen also längst Vorbereitungshilfe – den letzten Klick machen viele aber weiterhin selbst.

Amazon ist mit „Alexa for Shopping“, dem früheren „Rufus“, bereits einen Schritt weiter. Der Assistent recherchiert und vergleicht Produkte und beantwortet Fragen zu Eigenschaften und Bewertungen. Rufus unterstützte 2025 mehr als 300 Millionen Kunden bei der Recherche, beim Vergleich und beim Kauf von Produkten.

Was Amazons Einkaufsassistent in den USA erledigt

Amazon führt „Alexa for Shopping“ in den USA als personalisierten KI-Assistenten für Einkäufe ein. Der Dienst verbindet Rufus’ Produktwissen und Informationen aus dem Web mit persönlichen Präferenzen, früheren Einkäufen und Einkaufsverläufen sowie Gesprächen mit Alexa und Alexa+.

Verfügbar ist Alexa for Shopping in der Amazon-Shopping-App, auf der Amazon-Website und auf Echo-Show-Geräten. Eine Prime-Mitgliedschaft, ein Echo-Gerät oder die Alexa-App sind dafür nicht erforderlich. Eingeloggte Amazon-Kunden können den Dienst kostenlos nutzen. Der Rollout für alle Kunden in den USA soll innerhalb einer Woche erfolgen: In der aktualisierten Amazon-Shopping-App tippt man auf das Alexa-Symbol in der unteren Navigation, am Desktop wählt man das Alexa-Symbol oben auf der Amazon-Seite.

Die vollständige Amazon-Shop-Oberfläche ist erstmals auf Echo Show verfügbar. Suche, Navigation und Kauf laufen direkt auf dem Gerät – per Sprache, Touch oder beidem. Informationen fließen dabei in beide Richtungen: Gespräche auf Alexa-Geräten sollen das Einkaufserlebnis verbessern, während Browsing, Käufe und Unterhaltungen auf Amazon Alexa persönlicher machen.

Alexa for Shopping kann Produkte und Kategorien vergleichen, personalisierte Empfehlungen geben, Preise verfolgen und Preisalarme einrichten. Erreicht ein Artikel den gewünschten Preis, kann der Assistent den Kauf auslösen. Auch Warenkörbe lassen sich erstellen, frühere Käufe nachbestellen und Routinekäufe automatisieren. Produkte anderer Onlinehändler kann Alexa finden und teilweise auch kaufen.

Amazon beschreibt dazu Alltagsszenarien: Nach einem Gespräch über ein Wissenschaftsprojekt schlägt Alexa Materialien für einen selbstgemachten Vulkan vor. Bei einem Fehlercode eines Geschirrspülers greift der Assistent auf frühere Informationen zum Gerät zurück und macht Lösungsvorschläge. Für einen zu teuren Laptop lässt sich ein Preisalarm einrichten; beim Erreichen des Zielpreises kann Alexa den Kauf auslösen. Und zum Geburtstag eines Neffen sucht sie altersgerechte Geschenke heraus, die rechtzeitig geliefert werden sollen.

Preisregeln, Nachbestellungen und Einkaufsratgeber

Fragen können direkt in der Hauptsuchleiste der Amazon-App gestellt werden. Unterstützt werden allgemeine Fragen, Produktvergleiche und Bestellfragen. Mehrere Produkte aus den Suchergebnissen lassen sich nebeneinander vergleichen. Oben in Suchergebnissen und auf Produktdetailseiten erscheinen KI-Zusammenfassungen, die Produktkategorien, wichtige Merkmale und Entscheidungskriterien erklären.

Eine Preisverlaufsfunktion zeigt die Entwicklung bis zu einem Jahr zurück und ist für Hunderte Millionen Produkte verfügbar. Geplante Aktionen können einmalig oder regelmäßig laufen: monatlich Snacks oder Tierfutter in den Warenkorb legen, Haushaltprodukte nachbestellen, über neue Bücher eines Autors informieren oder vor Geburtstagen und Feiertagen Geschenkideen liefern.

Dabei lassen sich Bedingungen festlegen. Ein Produkt kann etwa nur dann in den Warenkorb kommen, wenn es höchstens 10 US-Dollar kostet und seit dem letzten Kauf mindestens zwei Monate vergangen sind. Über „Shop Direct“ entdecken Nutzer Produkte aus Amazons Sortiment und aus Hunderten Millionen Angeboten anderer Händler. Die Funktion „Buy for Me“ kann bei geeigneten Produkten den Kauf mit hinterlegter Adresse und Kreditkarte durchführen.

Frühere Bestellungen lassen sich per Sprache erneut in den Warenkorb legen. Gespeicherte Angaben zu Familienmitgliedern, Haustieren, Interessen und Ernährungsbedürfnissen können Nutzer einsehen und ändern. Für größere Anschaffungen oder neue Kategorien erstellt Alexa individuelle Einkaufsratgeber – mit Vergleichen von Funktionen, Preisen und Bewertungen aus Amazon und dem Web.

Bekannte Funktionen bleiben ebenfalls verfügbar: die visuelle Suche per Foto, dealbasierte Empfehlungen anhand von Browserverlauf und Einkaufslisten, die Suche nach einem Preisrahmen, Preisalarme, der automatische Kauf zu einem festgelegten Preis sowie Paketverfolgung und die Abfrage des Bestellstatus. Für Aufgaben außerhalb des Einkaufens, etwa die Smart-Home-Steuerung, Musikwiedergabe oder Haushaltsorganisation, wechselt Alexa for Shopping zu Alexa+.

dm setzt auf verlässliche Produktdaten

Für dm liegt die praktische Idee näher am Badezimmerregal als am großen Elektronikkauf: Die App soll wiederkehrende Produkte erkennen und Nachbestellungen automatisieren. Ob die richtige Zahnpasta, das gewohnte Duschgel oder ein anderer Drogerieartikel im Warenkorb landet, hängt dabei stark davon ab, ob Produktinformationen vollständig, aktuell und sauber strukturiert vorliegen.

Darum nimmt der Konzern seine Zulieferer in die Pflicht und verlangt eine vollständige sowie laufende Pflege dieser Daten. Anfang 2027 soll der KI-Agent starten. Bis dahin bleibt offen, wie viel Kontrolle Kunden bei einer automatisierten Bestellung behalten wollen – gerade weil die Deloitte-Zahlen zeigen, dass viele Menschen KI schon gern suchen und vergleichen lassen, den Kaufabschluss aber noch nicht einfach aus der Hand geben.