H&M prüft Hacker-Vorwürfe von ShinyHunters – Angriff bislang unbestätigt
Die H&M Group prüft Hinweise auf einen möglichen Cyberangriff. Bekannt wurde die Untersuchung am 12. Oktober 2026, nachdem die Hackergruppe ShinyHunters im Internet behauptet hatte, H&M angegriffen zu haben. Ob hinter den Behauptungen mehr steckt als lautes digitales Getöse, ist offen.
Nach Angaben des Konzerns beziehen sich die online verbreiteten Aussagen auf einen möglichen Sicherheitsvorfall begrenzten Umfangs mit Konzerndaten. Hinweise auf einen unbefugten Zugriff auf die eigene Datenumgebung hat H&M bislang nicht gefunden. Das Unternehmen prüft weiter, ob die Behauptungen überhaupt zutreffen. Ein tatsächlicher Angriff oder Datendiebstahl ist bisher nicht bestätigt.
Was bislang bekannt ist
Zu möglichen Angriffsmethoden oder betroffenen Systemen machte H&M keine Angaben. Weitere Details will der Konzern während der laufenden Untersuchung nicht nennen. Auch die Behauptungen von ShinyHunters wurden bisher nicht unabhängig bestätigt.
Für einzelne Marken, Online-Shops oder Filialprozesse sind bislang keine Beeinträchtigungen bekannt. Ebenso wurden weder finanzielle Schäden noch Unterbrechungen des operativen Geschäfts gemeldet. Ein möglicher Sicherheitsvorfall könnte grundsätzlich zentrale IT-Systeme, Online-Shops, Filialen, Logistik und Warenwirtschaft betreffen – derzeit bleibt das aber eine Möglichkeit, keine Feststellung.
Zur H&M Group gehören neben H&M unter anderem COS, Arket, Weekday, & Other Stories und H&M Home. Die weiteren Untersuchungen sollen klären, ob sich die Vorwürfe gegen H&M erhärten oder ein Zusammenhang mit einem anderen Vorfall nachweisen lässt. Bis dahin gilt der Fall als möglicher Sicherheitsvorfall, nicht als bestätigter Hackerangriff auf H&M.
Parallelen zu Asos?
Die Prüfung folgt auf einen in der Vorwoche bestätigten Cybervorfall beim britischen Online-Modehändler Asos. Laut The Times besteht der Verdacht, dass hinter den Vorfällen dieselben oder miteinander verbundene Akteure stehen könnten. Im Zusammenhang mit Asos wurde außerdem der Name „Xuanye“ genannt; eine Verbindung zu ShinyHunters ist bislang nicht belegt.
Ob H&M und Asos Teil einer gemeinsamen Angriffskampagne sind, bleibt damit offen. Mehr lässt sich im Moment nicht seriös sagen – und genau das ist bei solchen Meldungen der unerquicklichste Teil: Das Gerücht ist schnell, die Prüfung langsam.
Einzelhandel bleibt unter Druck
Wie angespannt die Lage im Handel grundsätzlich ist, zeigt die Sophos-Studie „The State of Ransomware in Retail 2025“. Sie untersucht Ursachen, Auswirkungen und Gegenmaßnahmen bei Ransomware-Angriffen im Einzelhandel. Häufigste technische Ursache waren erneut ausgenutzte Schwachstellen: Sie spielten in 30 Prozent der Fälle eine Rolle.
Bei den operativen Einstiegspunkten nannten die Befragten unbekannte Sicherheitslücken mit 46 Prozent und mangelnde Fachkenntnis mit 45 Prozent. Letzterer Wert war der höchste aller untersuchten Branchen. Der Anteil der Angriffe mit tatsächlicher Datenverschlüsselung sank zwar von 71 Prozent im Jahr 2023 auf 48 Prozent im Jahr 2025. Vereitelte Verschlüsselungsversuche erreichten gleichzeitig einen Höchststand.
Reine Erpressungsangriffe ohne Datenverschlüsselung nahmen von 2 Prozent im Jahr 2023 auf 6 Prozent im Jahr 2025 zu. 58 Prozent der Einzelhandelsunternehmen zahlten 2025 Lösegeld zur Datenwiederherstellung; 2021 waren es 32 Prozent. Der branchenübergreifende Durchschnitt lag bei 49 Prozent.
Backups blieben trotz ihrer rückläufigen Nutzung knapp die häufigste Wiederherstellungsmethode. Die durchschnittliche Lösegeldforderung verdoppelte sich von 2024 auf 2025 auf 1,71 Millionen Euro. Forderungen von mehr als 4,28 Millionen Euro stiegen im selben Zeitraum von 17 auf 27 Prozent der Fälle.
Die durchschnittliche Lösegeldzahlung im Einzelhandel nahm dagegen nur um 5 Prozent zu: von 813.563 Euro im Jahr 2024 auf 856.382 Euro im Jahr 2025. Die durchschnittlichen Wiederherstellungskosten ohne Lösegeld sanken um 40 Prozent auf 1,41 Millionen Euro – den niedrigsten Wert seit drei Jahren.
Zu den Folgen gehörten laut Befragung auch verstärkter Druck durch das Management nach einer Datenverschlüsselung, genannt von 47 Prozent, sowie Angst oder Stress wegen künftiger Angriffe bei 43 Prozent. 37 Prozent berichteten von krankheitsbedingter Abwesenheit durch Stress oder psychische Belastungen, 34 Prozent von Schuldgefühlen, den Angriff nicht verhindert zu haben.
Grundlage der Studie war eine unabhängige Befragung von 3.400 IT- und Cybersicherheitsverantwortlichen in 17 Ländern. 361 Befragte kamen aus dem Einzelhandel; die Unternehmen hatten jeweils 100 bis 5.000 Beschäftigte. Durchgeführt wurde die Erhebung von Vanson Bourne von Januar bis März 2025, gefragt wurde nach Erfahrungen aus den jeweils vergangenen zwölf Monaten.
