Vom Kulturschock zum Kreislauf: Wie Deutschlands Pfandsystem Flaschen zurück in den Handel bringt
Für Mike war es im ersten Jahr in Deutschland eine dieser Szenen, die man nicht so schnell vergisst: eine leere Flasche, ein Supermarkt, ein Automat – und plötzlich gab es Geld zurück. Der US-Amerikaner lebt seit vier Jahren mit seiner Frau Becca in Deutschland. In einem YouTube-Video berichtet er über 13 große Kulturschocks aus seinem ersten Jahr, darunter das deutsche Pfandsystem.
Beim Einkauf werden auf Einwegflaschen und Dosen 25 Cent aufgeschlagen, Mehrwegflaschen kosten meist 8 oder 15 Cent zusätzlich. Mike erklärt es nüchtern: Man zahlt beim Kauf 8 bis 25 Cent mehr und bekommt diesen Betrag bei der Rückgabe wieder. Klingt einfach. Ist es auch – sobald man weiß, was zu tun ist.
Der Automat, der aus Leergut einen Bon macht
Leere Verpackungen können meist in den Supermärkten zurückgegeben werden, die entsprechende Produkte verkaufen. Dort stehen Rückgabeautomaten, die Flaschen und Dosen über Kameras, Sensoren sowie Formen-, Material- und Codeerkennung prüfen. Fremde oder verdächtige Verpackungen werden aussortiert; auch gefälschte Etiketten, ausländische Gebinde oder mehrfach eingelöste Codes können so auffallen.
Am Ende spuckt der Automat einen Pfandbon aus. Der wird an der Kasse verrechnet oder ausgezahlt. Wichtig: Pfandpflichtige Verpackungen sind am Logo der Deutschen Pfandsystem GmbH, dem DPG-Pfandlogo, zu erkennen. Dazu gehören unter anderem Wasser, Softdrinks, Bier und Saft in Plastikflaschen und Dosen.
Seit 1. Januar 2003 weist dieses Logo auf pfandpflichtige Einwegverpackungen hin. Das Einwegpfand beträgt grundsätzlich 0,25 Euro. Ausgenommen sind unter anderem Getränkekartons, Polyethylen-Schlauchbeutel, Folien-Standbodenbeutel sowie bestimmte Getränke für Säuglinge und Kleinkinder. Seit 1. Mai 2006 müssen Verkaufsstellen pfandpflichtige Einwegverpackungen aus den Materialarten zurücknehmen, die sie selbst verkaufen; für Geschäfte mit weniger als 200 Quadratmetern gelten Ausnahmen.
Die meistgenutzte Gebindegröße ist die 1,5-Liter-Flasche. Grundlage des Systems war die Verpackungsverordnung von 1991, die 1998 novelliert wurde. Eingeführt wurde das Einwegpfand, nachdem der Mehrweganteil bei Getränkeverpackungen bundesweit unter 72 Prozent gefallen war. Anfangs ging es vor allem um Bier und Biermischgetränke, Mineralwasser sowie kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke. Milch, Wein, Sekt, Spirituosen und kohlensäurefreie Erfrischungsgetränke waren zunächst ausgenommen.
Der Start verlief holprig. Handel und Getränkeindustrie fochten die Einführung vor Gericht an, sie blieb jedoch bestehen. Bis zum 30. September 2003 mussten Geschäfte während einer Übergangsfrist nur selbst verkaufte Verpackungen zurücknehmen. Danach galt die Rücknahme auch für fremde Verpackungen. Statt eines einheitlichen Systems liefen zunächst mehrere Rücknahmesysteme parallel. Seit 29. Mai 2005 gilt ein einheitliches Pfand von 0,25 Euro für Einwegverpackungen zwischen 0,1 und 3 Litern.
Seit 1. Mai 2006 gilt die Pfandpflicht unter anderem für Bier, Biermischgetränke, Mineral- und Tafelwasser, Erfrischungsgetränke, Eistee und Alcopops in Dosen und Einwegflaschen. 2019 kamen kohlensäurehaltige Frucht- und Gemüsenektare sowie bestimmte Mischgetränke mit mindestens 50 Prozent Milcherzeugnissen hinzu. Seit 2022 betrifft das Pfand außerdem alkoholische Mischgetränke, Frucht- und Gemüsesäfte, Wein und Sekt in Dosen oder Plastikflaschen, diätische Getränke sowie Milch und Milchprodukte in Dosen. Für Milch und Milchprodukte in Einwegflaschen galt eine Übergangsregelung bis 2024.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht bei sachgerechter Reinigung der Rücknahmeautomaten trotz möglicher Verschmutzungen durch Milchfette und Eiweiße kein erhöhtes Gesundheitsrisiko. Der Bon bleibt also nicht deshalb liegen, weil irgendwo ein Tropfen Milch im Gerät gelandet sein könnte.
Einweg ist nicht Mehrweg – und 25 Cent sind nicht immer alles
Pfand ist zunächst ein beim Kauf entrichteter Geldbetrag für eine Getränkeverpackung, der bei korrekter Rückgabe erstattet wird. Einwegverpackungen werden nach der Rückgabe meist zerstört und stofflich recycelt. Mehrwegverpackungen aus Glas, Hartplastik oder Metall werden dagegen mehrfach befüllt. Die Umweltbilanz beider Systeme ist umstritten und hängt unter anderem von Material, Umlaufzahl und Transportwegen ab.
Das Mehrwegpfand ist gesetzlich nicht festgelegt, sondern kann vom Abfüller bestimmt werden. Üblich sind 0,08 Euro für Mehrweg-Bierflaschen und meist 0,15 Euro für sonstige Mehrwegflaschen aus Glas oder Hartkunststoff. Bierflaschen mit Bügelverschluss kosten meist 0,15 Euro, regional auch 0,25 bis 0,60 Euro. Für Schweppes-Glasflaschen werden 0,10 Euro genannt, für Lemonaid-Flaschen 0,25 Euro und für bestimmte Ein-Liter-Weinflaschen 0,02 oder 0,03 Euro.
Bei gleich geformten Flaschen erkennen Automaten unterschiedliche Pfandsätze nicht immer; dann werden mitunter nur 0,08 Euro gutgeschrieben. Ausländische Flaschen werden häufig nicht angenommen, von Automaten aber wegen ihrer Form gelegentlich doch akzeptiert. Mehrwegflaschen können grundsätzlich bei Händlern zurückgegeben werden, die Getränke der entsprechenden Marke oder Flaschenart verkaufen. Der Bundesgerichtshof unterscheidet bei der Eigentumsfrage zwischen Individualflaschen eines bestimmten Herstellers, Einheitsflaschen verschiedener Hersteller und Flaschen einer Herstellergruppe. Bei Individualflaschen bleibt das Eigentum in der Regel beim Hersteller oder Vertreiber, bei Einheitsflaschen geht es regelmäßig mit dem Inhalt auf den Käufer über.
Die Entwicklung zeigt, warum die Unterscheidung wichtig ist: Bei alkoholfreien Getränken sank die Mehrwegquote laut GfK bis 2008 auf 31 Prozent, während sie bei Bier 2008 noch etwa 90 Prozent betrug. Als Gründe gelten Kostenvorteile des Handels, niedrigere Preise und die größere Verfügbarkeit von Einweggetränken, die einfachere Handhabung sowie die schlechte Unterscheidbarkeit von Einweg und Mehrweg. 2010 glaubte laut TNS Emnid etwa die Hälfte der Verbraucher, jedes bepfandete Getränk stecke in einer umweltfreundlichen Mehrwegflasche. Das Umweltbundesamt empfahl deshalb eine deutlich sichtbare Kennzeichnung als „Einwegverpackung“.
2019 lag der Mehrweganteil bei Bier bei knapp 80 Prozent, in den übrigen Getränkesegmenten jeweils höchstens bei 42 Prozent. Beim Mineralwasser sank er von 71 Prozent bei Einführung des Einwegpfands auf 41 Prozent im Jahr 2019. Der Markt für Getränkedosen brach nach Einführung des Pfands 2003 zunächst stark ein und erholte sich nur langsam.
Von 390.000 Tonnen gesammelten PET-Flaschen wurden 2019 94 Prozent recycelt. 37,7 Prozent des Materials flossen in neue Flaschen, 28,6 Prozent in Folien und 20,4 Prozent in Textilfasern. Die Rücklaufquote pfandpflichtiger Einwegverpackungen wurde für 2012 mit 95,9 Prozent angegeben; heute werden in Deutschland über 98 Prozent der Einweg-Getränkebehälter zurückgegeben. Bis Anfang 2006 waren schätzungsweise 10 bis 25 Prozent nicht zurückgebracht worden, später wurde der Verlust auf etwa 5 Prozent geschätzt.
Unklar ist, wie der Pfandwert von Gebinden behandelt wird, die kommunale Straßenreinigungen einsammeln. Seit 2024 zahlen Hersteller bestimmter Einwegkunststoffprodukte in einen Fonds ein, aus dem Kommunen unter anderem Kosten für die Beseitigung solcher Abfälle im öffentlichen Raum ersetzt bekommen.
Warum Rückgabe funktioniert – und wo sie klemmt
Mike vermutet, dass das Pfandsystem die Recyclingbereitschaft erhöht. Ihm macht die Rückgabe sogar Spaß. Das klingt im ersten Moment ein wenig skurril, aber eine Studie zum ungarischen Rückgabesystem „REpont“ kommt zu einem ähnlichen Schluss: Bequemlichkeit, der wahrgenommene Nutzen und Freude an der Nutzung erhöhen die Bereitschaft, weiter mitzumachen.
Auch eine TOMRA-Umfrage in sieben europäischen Ländern deutet darauf hin. 76 Prozent der Befragten nannten die Pfanderstattung als wichtigste Motivation, der Umweltschutz folgte an zweiter Stelle. Der konkrete Betrag im Einkaufskorb wirkt eben anders als ein fernes Versprechen über Recyclingquoten.
Gut funktionierende Systeme erreichen häufig Rücklaufquoten von mehr als 90 Prozent. Dafür braucht es bequeme, barrierearme Rückgabemöglichkeiten, klare Regeln, ausreichend Annahmestellen, zuverlässige Technik und transparente Zuständigkeiten. Kurze Wege, schnelle Automaten und wenig Wartezeit fördern die regelmäßige Rückgabe. Nebenbei entstehen soziale Routinen und Nachahmungseffekte – einer stellt seine Flasche ab, der Nächste macht es genauso.
Getrennte und saubere Rückgaben verringern Vermischungen und Verschmutzungen, erleichtern die Sortierung, senken Recyclingkosten und verbessern die Qualität der Recyclingprodukte. Für Sortieranlagen und Recycler entstehen planbare Materialmengen. Hersteller passen ihre Verpackungen deshalb zunehmend an: weniger Farben, leichter ablösbare Etiketten, am Gebinde verbleibende Verschlüsse und mehr Monomaterialien. Schwer recycelbare Verbundmaterialien verursachen höhere Aufbereitungsverluste und können die Qualität des Recyclingmaterials mindern; einfache Kunststoffe und Aluminium lassen sich häufig effizienter durch die Recyclingkette führen.
Die Logistik profitiert von verdichteten Verpackungen, optimierten Routen und kleineren Lagerbedarfen. Digitale Markierungen wie Wasserzeichen oder QR-Codes können die Erkennung unterstützen. Apps könnten Guthaben, Rückgabestellen und Öffnungszeiten anzeigen – das System muss aber auch ohne Smartphone funktionieren, sonst wird’s für manche Leute unnötig kompliziert.
Rückgabedaten zu Mengen, Orten, Zeiten und Verpackungsarten helfen dabei, Transport und Lagerung zu planen, Engpässe zu erkennen, neue Annahmestellen festzulegen sowie Stillstände und Ausschuss zu reduzieren. Standardisierte Codes, offene Schnittstellen und sichere digitale Identitäten können Abrechnung und Kontrollen erleichtern. Hersteller sollen an den Kosten für Sammlung und Verwertung beteiligt werden; diese Kostenverantwortung kann Verpackungsdesign und Materialwahl beeinflussen. Planbare Stoffströme erleichtern Investitionen in Recyclinganlagen, Finanzierung und Kapazitätsausbau, größere und stabilere Mengen ermöglichen Skaleneffekte und niedrigere Stückkosten.
Ganz reibungslos läuft es trotzdem nicht. Mögliche Betrugsformen reichen von gefälschten Etiketten über Rückgaben aus dem Ausland bis zum mehrfachen Einlösen von Codes. Sensoren, Sperrlisten, zusätzliche Prüfungen im grenznahen Handel, Kontrollen und Sanktionen sollen das begrenzen. Der Pfandbetrag muss spürbar genug sein, darf Menschen mit geringem Einkommen aber nicht unverhältnismäßig belasten. Krisen wie Lieferkettenprobleme, Preisschwankungen oder Personalmangel können die Rücknahme ebenfalls unter Druck setzen; dezentrale Netze, redundante Logistik, Notfallpläne und Datenauswertung sollen die Betriebsfähigkeit sichern.
Was das Pfand kostet – und wer davon profitiert
Die Umsatzsteuer auf das Pfand richtet sich nach dem Steuersatz des enthaltenen Getränks: meist 19 Prozent, bei Milch 7 Prozent. Verbraucher zahlen den Pfandbetrag einschließlich Umsatzsteuer. Im Großhandel wird das Pfand netto berechnet; dadurch zahlt ein Einzelhändler etwa 30 Cent, erhält vom Kunden aber 25 Cent und bekommt den Betrag bei der Rückgabe an den Großhandel zurück.
Bei nicht ordnungsgemäßer Rückführung können dem Handel Verluste entstehen. Über verschiedene Handelsstufen hinweg sind außerdem Umsatzsteuerhinterziehungen möglich. Für mögliche Steuerausfälle wurden 2015 jährlich 40 Millionen Euro genannt, Umfang und Bedeutung sind in der Fachliteratur jedoch umstritten. Einnahmen aus dem Sammeln und Einlösen von Pfandflaschen gelten laut Bundesfinanzhof als steuerpflichtige sonstige Leistungen. Bis 255,99 Euro jährlich gilt eine Freigrenze; ab 256 Euro sind die gesamten Einnahmen steuerpflichtig.
Pfandsysteme haben in Deutschland und anderen Ländern auch das Flaschensammeln verbreitet. Gesucht wird in öffentlichen Abfalleimern, Altglascontainern, neben Pfandautomaten sowie an Orten mit hohem Getränkekonsum – an Bahnhöfen, bei Sport- und Festveranstaltungen. Finanzielle Gründe sind zentral, aber nicht das einzige Motiv; auch wirtschaftlich abgesicherte Menschen sammeln Flaschen. Hohe Einnahmen und Steuerzahlungen durch Flaschensammeln bleiben seltene Ausnahmefälle.
Die Tätigkeit ist teilweise mit sozialem Stigma verbunden. Wer in Behältern sucht, kann rechtliche Folgen riskieren, wenn die Flaschen Eigentum einer Entsorgungsfirma oder eines Grundstückseigentümers sind. Die Initiative „Pfand gehört daneben“ wurde 2011 gegründet und wirbt dafür, Pfandflaschen neben Abfalleimern abzustellen. Pfandringe an Abfalleimern sollen verhindern, dass Menschen in Müllbehältern suchen müssen; übernommen wurden solche Systeme unter anderem von Bamberg und Bezirksvertretungen.
Vom deutschen Automaten bis zum Pfand in Portugal
Mike vergleicht Deutschland mit den USA. Dort gibt es kein landesweites Pfandsystem, nur zehn Bundesstaaten haben ein Flaschenpfand – meist 5 oder 10 Cent. Delaware beendete sein System 2009. Das erste US-Pfandgesetz wurde 1972 in Oregon eingeführt. Die Unterschiede bei den Rücklaufquoten sind deutlich: Oregon kommt bei 10 Cent Pfand auf rund 87 Prozent, Massachusetts bei 5 Cent auf etwa 43 Prozent. In Connecticut stieg die Quote nach der Erhöhung auf 10 Cent und der Aufstellung zusätzlicher Rückgabeautomaten von 44 auf 65 Prozent.
Die US-Verpackungsindustrie unterstützte in der Vergangenheit Kampagnen, die Müllvermeidung als Verantwortung der Verbraucher darstellten. Damit sollten gesetzliche Pfandsysteme verhindert werden. Kanada erhebt dagegen in allen Provinzen und Territorien außer Nunavut Pfand. In Ontario beträgt es für Behälter alkoholischer Getränke meist 0,10 bis 0,20 kanadische Dollar, in Québec gilt es auch für Softdrinks und liegt bei 0,05 bis 0,20 kanadischen Dollar.
Schweden führte bereits 1885 ein Mehrwegpfand für standardisierte 0,33-Liter-Glasflaschen ein und besitzt damit das älteste Pfandsystem. Heute liegt die Rücklaufquote dort bei etwa 85 Prozent. Dosen und PET-Flaschen bis 1 Liter kosten 2 SEK Pfand, größere PET-Flaschen 3 SEK; das Pfand für bestimmte Glasflaschen wurde am 1. Juni 2025 auf 3 SEK erhöht.
Norwegen verlangt bis 0,5 Liter 2 NOK, darüber 3 NOK. In Dänemark gelten bis unter 1 Liter 1 DKK, für bestimmte 0,5-Liter-Flaschen 1,50 DKK und ab 1 Liter 3 DKK. Finnland bewegt sich je nach Material und Volumen zwischen 0,10 und 0,40 Euro. Estland besitzt seit 2009 ein einheitliches System mit grundsätzlich 0,10 Euro Pfand.
Frankreich hat kein flächendeckendes System; einzelne Brauereien betreiben Mehrwegpfand. Irland verlangt seit Februar 2024 0,15 Euro für Behälter bis 0,5 Liter und 0,25 Euro für größere. Kroatien führte 2025 ein Einwegpfand von 0,10 Euro ein, zuvor waren es umgerechnet 0,07 Euro. Litauen verlangt seit 2016 0,10 Euro für Glas-, PET- und Aluminiumverpackungen; 2017 lag die Rücklaufquote bei 92 Prozent.
In Luxemburg gibt es Pfand auf bestimmte Wein- und Bierflaschen sowie einzelne Dosen. Die Niederlande verlangen seit Juli 2021 0,15 Euro auf kleinere PET-Flaschen und 0,25 Euro auf PET-Flaschen ab 1 Liter; seit April 2023 kommt ein Dosenpfand von 0,15 Euro hinzu. Polen führte im Oktober 2025 0,50 Złoty auf PET-Flaschen und Dosen sowie 1 Złoty auf Glasflaschen ein. Portugal verlangt seit April 2026 0,10 Euro für Getränkebehälter bis 3 Liter.
Rumänien erhebt seit November 2023 0,50 Lei auf Einwegbehälter von 0,1 bis 3 Litern und verfügt über etwa 80.000 Rückgabestellen. Spanien plant die Einführung eines nationalen Pfandsystems für November 2026. In Tschechien kosten 0,5-Liter-Mehrweg-Bierflaschen 3 Kronen Pfand, PET-Flaschen und Dosen sind dort bislang pfandfrei. Ungarn verlangt seit Anfang 2024 50 Forint für Einwegverpackungen von 0,1 bis 3 Litern; Milch und Milchgetränke sind ausgenommen. Die Studie zum ungarischen System „REpont“ hat dabei gerade den Einfluss von Bequemlichkeit, Nutzen und Freude an der Nutzung untersucht.
In Österreich wurde durch eine Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes 2021 ein Rahmen für verpflichtende Mehrwegquoten und ein Einwegpfand geschaffen. Seit 1. Januar 2025 gilt mit Übergangsfrist bis Jahresende ein Einwegpfand von 0,25 Euro auf Kunststoff- und Metallgebinde von 0,1 bis 3 Litern. Ausgenommen sind unter anderem Getränkekartons, Glasflaschen, Metall- oder Glasflaschen mit Kunststoffverschlüssen, bestimmte medizinische und diätische Getränke, Milch und Milchmischgetränke sowie Sirupe.
Rückgabe ist grundsätzlich an allen Verkaufsstellen möglich, die solche Getränke verkaufen. Die Gebinde müssen leer, unzerdrückt und mit lesbarem Pfandsymbol und Barcode zurückgegeben werden. Größere Lebensmittelhändler müssen seit 2024 Mehrwegangebote oder einen bestimmten Mehrwegabsatz erreichen: je nach Getränk eine Angebotsquote von 10 bis 15 Prozent oder alternativ eine Absatzquote von 25 Prozent. Das Pfand für Standard-Mehrweg-Bierflaschen stieg am 2. Februar 2025 von 9 auf 20 Cent. 2025 wurden 81,5 Prozent der pfandpflichtigen Verpackungen zurückgegeben, bis 2027 soll die Quote auf 90 Prozent steigen.
Die Schweiz geht einen anderen Weg. Für Mehrweg-Bierflaschen werden meist 30 bis 50 Rappen Depot erhoben, eine Kiste mit 20 Flaschen kostet häufig 10 Franken Depot. PET-Einwegflaschen sind weiterhin pfandfrei. 2008 lag die PET-Rücklaufquote bei 78 Prozent, bei einem Verbrauch von mehr als einer Milliarde Flaschen. Finanziert wird das PET-Recycling über einen vorgezogenen Recyclingbeitrag. Für Glas, PET und Aluminium gelten Verwertungsquoten von mindestens 75 Prozent; bei Nichterreichen kann ein Pfand vorgeschrieben werden. 2016 lagen die Quoten bei 82 Prozent für PET, 90 Prozent für Aluminium und 96 Prozent für Glas.
Glas, Mehrweg und der Blick nach vorn
Das deutsche Pfandsystem könnte künftig auf weitere Glasverpackungen ausgeweitet werden. Das Bündnis „Glas kann mehrWeg“ aus 24 Lebensmittelherstellern plant ein freiwilliges Mehrwegsystem für Gurken-, Senf- und Marmeladengläser sowie für Saucen-, Öl-, Essig- und Sirupflaschen. Zu den beteiligten Unternehmen gehören unter anderem Carl Kühne, Feinkost Dittmann, Monin und Brändle.
Vorgesehen sind 25 Cent Pfand für Schraubgläser und 50 Cent für Glasflaschen. Die Gläser sollen für bis zu 50 Umläufe zertifiziert werden. Nach Angaben des Bündnisses könnten dadurch etwa die Hälfte der CO₂-Emissionen eingespart und jährlich bis zu 710.000 Tonnen Verpackungsabfall vermieden werden.
Mehrweg braucht allerdings mehr als ein hübsches Glas im Regal: Rückgabe, Reinigung, schnelle Wiederbefüllung und geeignete Logistik müssen zusammenspielen. Hohe Umlaufzahlen sparen pro Nutzung Material und Energie. Bei kurzen Transportwegen kann Mehrweg besonders sinnvoll sein, bei langen Wegen kann Recycling Vorteile haben. Länder und Regionen mit hohen Rücklaufquoten finden sich nicht nur in Nordeuropa, sondern auch in Teilen Nordamerikas, im Baltikum und in Australien.
Hersteller, Handel und Kommunen müssen dafür gemeinsame Standards und Verhaltensregeln finden, die Pflichten, Fristen und Zusammenarbeit klären. Der Handel stellt Rückgabeflächen und Technik bereit und prägt damit die Nutzererfahrung; schnelle, saubere Prozesse können sogar die Kundenbindung stärken. Marken können Recyclingfähigkeit und Kreislauffähigkeit ihrer Verpackungen hervorheben. Kommunikation sollte erklären, was mit zurückgegebenen Verpackungen geschieht und welche Ressourcen eingespart werden. Schulen, Vereine und lokale Sammelaktionen können Rückgaberoutinen verbreiten.
Als sinnvoll gelten klare Regeln und einfache Prozesse, bequeme Rückgabe, spürbare, aber angemessene Pfandwerte, Datennutzung entlang der gesamten Kette, recyclinggerechtes Verpackungsdesign, schlanke Maßnahmen gegen Betrug und die Messung von Rücklauf, Materialreinheit und Wiederverwendung. Kommunen und Handel sollten eng zusammenarbeiten, Pilotprojekte in kleinen Regionen starten und stabile Lösungen schrittweise ausweiten. Wenn am Automaten das nächste Mal der Bon herausrattert, steckt dahinter also nicht bloß Kleingeld – sondern eine ziemlich große Kette aus Einkauf, Technik, Logistik und Recycling.
Quelle: Der Westen
Weiterführende Informationen: Wikipedia – Pfand auf Getränkebehälter
Einordnung: Minimüll
