EU genehmigt JD.coms Übernahme von Ceconomy unter strengen Auflagen
Die Europäische Kommission hat am 3. November 2026 die Übernahme des deutschen Elektronikhändlers Ceconomy durch den chinesischen Handelskonzern JD.com genehmigt. Die Zustimmung gilt allerdings nur unter Bedingungen: JD.com und Ceconomy müssen die von ihnen vorgeschlagenen Verpflichtungszusagen vollständig umsetzen.
Das Übernahmeangebot bewertet Ceconomy mit rund 2,2 Milliarden Euro. Zum Unternehmen gehören die Elektronikhändler MediaMarkt und Saturn; zu den wichtigsten Marken zählen außerdem MediaWorld. Ceconomy ist im Einzelhandel mit Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräten tätig und in mehreren EU-Mitgliedstaaten vertreten.
Warum Brüssel genauer hingeschaut hat
Bei der eingehenden Prüfung stellte die Kommission fest, dass JD.com staatliche Unterstützung aus China erhalten hat. Dazu gehören Vorzugsfinanzierungen, Steuervergünstigungen beziehungsweise Steueranreize und Zuschüsse. Diese Subventionen könnten den EU-Binnenmarkt verzerren, heißt es aus Brüssel.
Mit den staatlich unterstützten Mitteln hat JD.com unter anderem logistische und technische Kapazitäten aufgebaut. Nach der Übernahme könnten diese auch Ceconomy zur Verfügung stehen. Die Sorge der Kommission: JD.com und Ceconomy könnten ihre Tätigkeiten im europäischen Binnenmarkt leichter finanzieren und Wettbewerber mit einer aggressiven Preispolitik unter Druck setzen.
Die EU prüft neben europäischen Staatshilfen auch bestimmte Subventionen aus Drittstaaten. Die entsprechende EU-Verordnung gilt seit dem 12. Juli 2023. Sie soll Wettbewerbsverzerrungen durch solche Subventionen verhindern, ohne Handel und Investitionen in der Europäischen Union einzuschränken.
Diese Auflagen gelten zehn Jahre
Künftig müssen alle Geschäfte zwischen JD.com und Ceconomy zu marktüblichen Bedingungen erfolgen. Das betrifft ausdrücklich auch Finanzierungen. Eine konzerninterne Quersubventionierung soll damit verhindert werden.
Zusätzlich muss JD.com Lager- und Logistikdienstleistungen sowie technologische Dienstleistungen dritten Einzelhändlern zu denselben Bedingungen anbieten wie Ceconomy. Nach einem Markttest überarbeiteten und präzisierten die Unternehmen ihre Zusagen. Die Kommission hält die Maßnahmen für ausreichend, um den möglichen Vorteil durch JD.coms subventionierte Logistik- und Technikkapazitäten auszugleichen.
Die Verpflichtungen gelten zehn Jahre lang. Ein unabhängiger Treuhänder überwacht ihre Umsetzung unter der Aufsicht der Kommission. Teresa Ribera erklärte, Wettbewerb im Einzelhandel und im elektronischen Handel sowie gleiche Wettbewerbsbedingungen kämen den Verbrauchern zugute.
Die Auflagen hatten JD.com und Ceconomy selbst vorgeschlagen. Die Zustimmung der EU-Kommission ist eine Voraussetzung für den Eigentümerwechsel.
Übernahme in mehreren Ländern geprüft
JD.com legte im Sommer 2025 ein Übernahmeangebot vor und sicherte sich wenige Monate später die Mehrheit der Ceconomy-Aktien. Behörden in mehreren Ländern, darunter Deutschland, genehmigten die Transaktion ebenfalls, teils unter Auflagen. In Deutschland sollen diese unter anderem personenbezogene Kundendaten schützen. Die Bundesregierung erhält weitreichende Kontrollrechte und kann die Genehmigung bei Verstößen widerrufen.
Ganz geräuschlos verlief das Verfahren nicht. China drohte Brüssel im August mit Gegenmaßnahmen und kritisierte die umfangreichen sowie unnötigen Informationsanforderungen. Das chinesische Justizministerium untersagte Organisationen und Einzelpersonen, die EU bei bestimmten Auskunftsersuchen zu unterstützen.
Ein großer Händler trifft auf einen globalen Konzern
MediaMarkt-Saturn ist Europas größter Elektronik-Fachhändler und nach Amazon, Otto und Zalando Deutschlands viertgrößter Onlineshop. Ceconomy entstand 2017 durch die Abspaltung von Metro und betreibt mehr als 1.000 Märkte in elf europäischen Ländern.
JD.com gehört laut dem Forschungsinstitut EHI zu den zehn größten Handelskonzernen weltweit. Der Konzern erzielte 2024 einen Umsatz von knapp 159 Milliarden US-Dollar. Seine Unternehmensgruppe betreibt Einzelhandel, einen elektronischen Marktplatz in China sowie Logistik- und Technologiedienstleistungen.
Der Sitz von JD.com liegt auf den Kaimaninseln; die Aktien sind an der Nasdaq und an der Hongkonger Börse notiert. In Deutschland startete der Konzern im März 2026 den Onlineshop Joybuy. Für Ceconomy soll sich trotzdem nicht alles drehen: JD.com erklärte, Geschäftsmodell und Strategie unverändert lassen zu wollen.
Der Ceconomy-Vorstand soll weiterhin für Geschäftsstrategie und operative Führung verantwortlich bleiben. Auch die Grundlagen für Mitarbeitende, Marken und Märkte sollen geschützt werden. Ein bisschen Alltag zwischen den Konzernlogos also – während im Hintergrund zehn Jahre lang sehr genau hingeschaut wird.
