Galeria ist insolvent – erneut. Für den Standort in Ulm ist damit vieles offen. Wie das Warenhaus dort weitergenutzt wird, hängt davon ab, wie sich der Konzern nach der Insolvenz aufstellt. Auch ein Verkauf des Gebäudes ist möglich.

Mit dem Verkauf wurde Makler Hendrik Poggemann beauftragt. Ob tatsächlich ein neuer Eigentümer gefunden wird und was danach im Haus passiert, ist derzeit nicht entschieden. Fest steht nur: Ein Umbau für eine andere Nutzung wäre aufwendig und teuer. Das klingt nach viel Arbeit, viel Geld – und vermutlich nicht nach einer schnellen Lösung.

Vierter Insolvenzantrag in sechs Jahren

Am 2. Oktober 2026 hat Galeria erneut Insolvenz beantragt – zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren. Rund 12.000 Mitarbeitende bangen um ihre Arbeitsplätze. Bereits im April berichteten erste Vermieter, Galeria zahle Mieten nicht. Im Juni gewährte Gordon Brothers dem Unternehmen einen Kredit über 160 Millionen Euro. Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser zu überprüfen.

Der Bericht zur Ulmer Immobilie erschien am 3. November 2026 um 13:48 Uhr. Für den Standort bedeutet die neue Schieflage vor allem eines: Die Frage nach der Zukunft des Hauses ist wieder da. Und diesmal steht neben dem Weiterbetrieb ausdrücklich auch ein Verkauf im Raum.

Vom Warenhausglanz zur Dauerkrise

Karstadt und Kaufhof galten im 20. Jahrhundert als bedeutende Warenhäuser, in denen es praktisch alles gab. Ab den 1980er-Jahren gerieten sie durch Einkaufszentren, Fachmärkte und neue Handelskonzepte unter Druck. Später verschärfte der Online-Handel die Probleme.

Die Geschichte reicht weit zurück. 1879 eröffnete Leonhard Tietz in Stralsund auf 25 Quadratmetern ein Geschäft für Garne, Stoffe und Knöpfe. Festpreise, Barzahlung und Rückgaberecht gehörten zu seinem Warenhauskonzept. Rudolph Karstadt eröffnete 1881 in Wismar ein „Tuch-, Manufactur- und Confektionsgeschäft“; 1906 besaß Karstadt bereits 24 Kaufhäuser in Norddeutschland.

Während des Wirtschaftsbooms ab den 1950er-Jahren florierte das Geschäft. Kaufhof erzielte zu seinem 100-jährigen Bestehen 7,4 Milliarden Mark Umsatz. Karstadt betrieb zum 100-jährigen Bestehen 155 Warenhäuser und beschäftigte rund 75.000 Mitarbeitende.

Übernahmen, Mieten und Insolvenzen

1980 beteiligte sich der Großhandelskonzern Metro an Kaufhof. 1994 übernahm Kaufhof den Konkurrenten Horten, während Karstadt parallel Hertie übernahm. 1997 stieg Quelle bei Karstadt ein. Der daraus entstandene KarstadtQuelle-Konzern musste wiederholt zusätzliches Kapital aufnehmen.

2005 übernahm der frühere Bertelsmann-Manager Thomas Middelhoff die Führung bei KarstadtQuelle. Seine Pläne für eine europaweite Expansion wurden nicht umgesetzt. Ein Jahr später verkaufte Middelhoff die Warenhausgebäude für 3,7 Milliarden Euro an einen Fonds von Goldman Sachs. Danach musste Karstadt hohe Mieten für seine Filialen zahlen.

2009 wurde für Karstadt und weitere wichtige Arcandor-Gesellschaften das Insolvenzverfahren eröffnet. 13 Karstadt-Filialen schlossen, mehr als 1.000 Mitarbeitende verloren ihre Arbeitsplätze. 2010 kaufte der Privatinvestor Nicolas Berggruen Karstadt, das Insolvenzverfahren wurde aufgehoben. Rund 40.000 Gläubiger verzichteten auf zwei Milliarden Euro, die Filialmieten wurden reduziert und die Mitarbeitenden stimmten Lohnkürzungen zu.

Im August 2014 übernahm die österreichische Signa-Holding von René Benko Karstadt für einen symbolischen Euro. 2015 ging Kaufhof an die kanadische Hudson’s Bay Company. 2018 fusionierten Karstadt und Kaufhof zur Galeria Karstadt Kaufhof. Ein Jahr später übernahm Signa alle Kaufhof-Anteile und wurde alleiniger Eigentümer der 174 Filialen. Der Umsatz lag damals bei 4,5 Milliarden Euro.

Die jüngste Abwärtsspirale

Während der Corona-Pandemie mussten alle Filialen schließen. Das Unternehmen erwartete einen Umsatzverlust von einer Milliarde Euro und beantragte ein Schutzschirmverfahren. Laut Insolvenzplan sollten 40 Warenhäuser und mehrere Karstadt-Sports-Filialen schließen. Die Gläubiger verzichteten auf mehr als zwei Milliarden Euro. Ende September 2020 wurde das Verfahren aufgehoben; knapp 130 Filialen blieben erhalten, rund 16.000 Mitarbeitende behielten ihre Jobs.

2022 geriet Galeria Karstadt Kaufhof erneut in die Insolvenz und beantragte ein weiteres Schutzschirmverfahren. Am 1. Februar 2023 eröffnete das Amtsgericht Essen das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Gläubiger verzichteten erneut auf mehr als eine Milliarde Euro, 47 der damals 129 Filialen sollten geschlossen werden.

Im Januar 2024 stellte Galeria Karstadt Kaufhof den dritten Insolvenzantrag. Als Grund galt die finanzielle Schieflage der Signa-Gruppe; zugesagte Sanierungsgelder waren nicht geflossen. Zu diesem Zeitpunkt gab es 92 Filialen und 12.800 Mitarbeitende. Im April 2024 kündigten die US-Investmentgesellschaft NRDC und BB Kapital SA von Bernd Beetz die Übernahme an. 16 Filialen sollten schließen, 1.400 Mitarbeitende ihre Jobs verlieren.

Aus dem Firmennamen verschwanden „Karstadt“ und „Kaufhof“; seit Juli 2024 heißt das Unternehmen nur noch Galeria. Im August übernahmen die neuen Eigentümer den Konzern und verlegten den Firmensitz von Essen nach Düsseldorf. Statt der geplanten 16 wurden neun Filialen geschlossen, rund 800 Mitarbeitende verloren ihre Arbeitsplätze.

In Ulm richtet sich der Blick nun auf das Gebäude und auf die Entscheidung des Konzerns. Ein Verkauf ist möglich, der Makler ist beauftragt. Für eine andere Nutzung müsste das Haus allerdings aufwendig und teuer umgebaut werden. Was hinter den Fassaden mit den großen Verkaufsflächen kommt, bleibt vorerst offen.