Das Weihnachtsgeschäft entscheidet für viele Händler über mehr als nur ein gutes Jahresende. Im November und Dezember entstehen im deutschen Einzelhandel bis zu 20 % des Jahresumsatzes. Für Spielwarenhändler ist diese Phase noch heikler: Geschenke werden überwiegend in den letzten Wochen vor Weihnachten gekauft, wenn Einkaufsstraßen voller werden und die Kassen besonders häufig klingeln.

Eine HDE-Umfrage unter rund 300 Handelsunternehmen zeichnet trotzdem kein einheitliches Bild. Fast ein Drittel der Händler ist zuversichtlich, knapp ein Viertel erwartet, dass das Weihnachtsgeschäft das gesamte Geschäftsjahr trägt. Gleichzeitig rechnen 56 % der Unternehmen im Nicht-Lebensmittelhandel mit einem schlechteren Ergebnis als im Vorjahr. Steigende Energie- und Personalkosten sowie zunehmende Bürokratie drücken auf die Stimmung. Der HDE geht von durchschnittlich 262 Euro Weihnachtsausgaben pro befragter Person aus.

ROFU wagt den Neustart

Mitten in dieser angespannten Lage arbeitet ROFU Kinderland am Comeback. Das Unternehmen aus Hoppstädten-Weiersbach verkauft seit mehr als 40 Jahren Spielwaren und war zuletzt mit Filialen in sechs Bundesländern vertreten. Am 19. Januar 2026 beantragte ROFU ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung; am 1. April eröffnete das Amtsgericht Idar-Oberstein das Verfahren. Als Ursachen galten gestiegene Kosten, Kaufzurückhaltung und ein schwaches Weihnachtsgeschäft.

Im April schied Geschäftsführer Michael Edl aus. Am 23. April wurde die Investorenvereinbarung mit der Kids & School Holding GmbH abgeschlossen. Geschäftsführer und Mitgesellschafter der Holding sind Achim Weniger und Bernd Stocker, die laut Unternehmensangaben langjährige Erfahrung und Netzwerke im Spielwarenhandel mitbringen. Weniger wechselte für den Neustart zu ROFU. Er war 40 Jahre bei VEDES tätig, zuletzt im Vorstand. VEDES ist eine Einkaufsgenossenschaft mit etwa 800 angeschlossenen Spielwaren-Einzelhändlern.

Das Sanierungsverfahren wurde im Juli abgeschlossen, nachdem alle Gläubigergruppen dem Insolvenzplan einstimmig zugestimmt und sämtliche Bedingungen erfüllt hatten. Die Kids & School Holding GmbH übernahm den Geschäftsbetrieb. Ende Juli fand der Erörterungs- und Abstimmungstermin der Gläubigerversammlung statt; im August hob das Amtsgericht Idar-Oberstein das Insolvenzverfahren auf. Der Neustart erfolgte ab dem 1. August 2026.

Bei einer Sanierung in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt und führt das Unternehmen unter Aufsicht eines gerichtlich bestellten Sachwalters weiter. Der Insolvenzplan regelt die Entschuldung und den Fortbestand eines Unternehmens. Ziel des Verfahrens war die wirtschaftliche Stabilisierung und langfristige Fortführung von ROFU. Die Investorenlösung wurde über diesen Insolvenzplan umgesetzt.

27 Schließungen, 77 Filialen bleiben

Trotz des Investors wurden 27 Filialen geschlossen. Mehr als 600 Mitarbeitende verloren ihre Arbeitsplätze. Bis Juli liefen dort Räumungsverkäufe, außerdem gab es Sonderabverkäufe an fünf weiterhin bestehenden Standorten. Geschlossen wurden die Filialen in Albstadt, Ansbach, Bad Saulgau, Birkenfeld, Brühl, Donauwörth, Egelsbach, Eschweiler, Günzburg, Halle, Ingelheim, Kaiserslautern, Koblenz, Kulmbach, Königsbrunn, Lauchringen, Neuburg, Neutraubling, Nieder-Olm, Nördlingen, Schlüchtern, Schmallenberg, Schwandorf, Senden, Weingarten, Weinstadt-Endersbach und Weißenburg.

In den fortgeführten Filialen läuft der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weiter. Künftig sollen 77 Filialen bestehen bleiben und rund 1.150 Arbeitsplätze erhalten werden. Neue Standorte entstehen in Heilbronn, Neunkirchen und Heppenheim. Für Kundinnen und Kunden heißt das: Sie können weiterhin in allen fortgeführten Filialen einkaufen. Rückgaben, Umtausch und Reklamationen erfolgen grundsätzlich nach den bisherigen Bedingungen, wobei für einzelne Filialen Ausnahmen gelten. Gutscheine behalten ihre Gültigkeit und können in den fortgeführten Filialen eingelöst werden.

Achim Weniger soll interne Prozesse neu ausrichten und das Unternehmen für langfristiges Wachstum aufbauen. Der neue Investor verfolgt dabei das Ziel, ROFU als stationären Spielwarenhändler weiterzuentwickeln und langfristig auszurichten. Kurzfristig stehen der Ausbau der wiedereröffneten Standorte, der überarbeitete Online-Shop und neue Logistikpartnerschaften im Mittelpunkt. Der Shop wurde erneuert, bei der Logistik arbeitet ROFU mit Partnern zusammen.

Anfang Februar 2026 kam es allerdings zu einem Cyberangriff auf den ROFU-Online-Shop. Dabei könnten E-Mail-Adressen, verschlüsselte Passwörter, Namen und Anschriften betroffen gewesen sein. Zahlungsdaten wie Kreditkarten- oder Bankverbindungen waren nach aktuellem Stand nicht betroffen. ROFU informierte betroffene Kundinnen und Kunden und forderte sie zum Zurücksetzen ihrer Passwörter auf. Die Datenschutzbehörde und Strafverfolgungsbehörden wurden eingeschaltet; laut ROFU steht der IT-Sicherheitsvorfall nicht im Zusammenhang mit dem Sanierungsverfahren.

Wer dasselbe Passwort auch bei anderen Diensten verwendet, soll es dort ebenfalls ändern. ROFU empfiehlt die Funktion „Passwort vergessen“, warnt vor verdächtigen E-Mails und betont, niemals per E-Mail nach Passwörtern zu fragen. Nach den verstärkten Sicherheitsmaßnahmen soll der Online-Einkauf weiterhin möglich sein. Fragen zum Datenschutzvorfall beantwortet ROFU unter datenschutz-vorfall@rofu.de. Die Unternehmensseite zum Sanierungsverfahren bezeichnet ROFU als offizielle Informationsquelle und will sie bei neuen Entwicklungen aktualisieren.

Online wächst, der Druck bleibt

Der deutsche Einzelhandel erwartet für November und Dezember rund 130 Mrd. Euro Umsatz. Davon soll der Onlinehandel im Weihnachtsgeschäft um 4 % auf 23 Mrd. Euro wachsen. Die Entwicklung zeigt eine klare Schieflage: Online legt zu, während viele Nicht-Lebensmittelhändler mit Rückgängen rechnen. Frühere Berichte verwiesen bereits auf eine angespannte Stimmung vor dem Weihnachtsgeschäft, mehr Insolvenzen als im Vorjahr und mehr als 10 % Leerstand bei Ladenflächen in Innenstädten. Analysten von Hase & Igel prognostizierten, dass Black Friday und Weihnachtsgeschäft für viele Händler enttäuschend verlaufen könnten.

Auch der US-Handel blickt auf große Zahlen. Dort wurde erstmals ein Weihnachtsumsatz von mehr als 1 Bio. US-Dollar prognostiziert, ein Wachstum von 4,5 %. Rund 70 % der Ausgaben sollen auf den stationären Handel entfallen. Ein Teil des Wachstums wird allerdings auf Inflation und Zölle zurückgeführt.

Für die Spielwarenbranche kommt noch einiges obendrauf: Billigware aus Fernost, ein wachsender Gebrauchtmarkt, allgemeiner Preisdruck, Preisvorgaben marktführender Unternehmen und Konkurrenz durch digitale Unterhaltung. Dazu kommen eine gesunkene Geburtenrate und damit weniger Kinder als Kunden. Schleich, Playmobil, Haba und Rolly Toys meldeten zuletzt ebenfalls negative Nachrichten. Mehr als 150 klassische, inhabergeführte Spielwarengeschäfte haben bereits geschlossen.

Ein großer Markt mit kleinen Rissen

Weltweit erzielte der Spielzeugmarkt 2024 einen Umsatz von knapp 119 Mrd. US-Dollar. Die höchsten Umsätze mit Spielzeug und Spielen verzeichneten die USA. In Deutschland stiegen die Ausgaben bis 2021 kontinuierlich und erreichten während der Corona-Jahre wegen der Lockdowns einen Höchststand. 2024 sanken sie auf 4,4 Mrd. Euro, lagen damit aber weiterhin deutlich über dem Vor-Pandemie-Niveau.

Die Zahl der Spielwaren-Einzelhandelsunternehmen in Deutschland geht wegen veränderter Kaufgewohnheiten seit Jahren zurück und lag zuletzt bei knapp 2.500. Große Onlineversandhändler gewinnen im deutschen Spielwarenmarkt zunehmend an Bedeutung. Deutsche Spielwarenhersteller erzielten 2023 mit der Produktion von Spielwaren rund 2,7 Mrd. Euro Umsatz – den niedrigsten Wert der vergangenen 15 Jahre. Die Zahl der Hersteller sank zuletzt auf 619, die deutsche Spielwarenindustrie beschäftigte insgesamt mehr als 9.700 Menschen.

Es gibt aber auch Gegenwind mit etwas Farbe. Ravensburger entwickelte sich trotz des nachlassenden Corona-Schubs weiterhin positiv und erzielte 2024 weltweit einen Rekordumsatz von rund 790 Mio. Euro. Das Familienunternehmen ist vor allem für Puzzle und Gesellschaftsspiele bekannt; die meisten Ravensburger-Spielwaren werden am Produktionsstandort Ravensburg hergestellt. Weltweit führt der dänische LEGO-Konzern beim Umsatz, dahinter folgen Mattel aus den USA – bekannt unter anderem für Barbie – und Hasbro, das unter anderem Monopoly vertreibt. Auch in Deutschland liegt LEGO vorn, Ravensburger belegt hinter der Mattel GmbH den dritten Platz.

Während der Corona-Pandemie gehörte die Spielwarenindustrie zu den Branchen mit deutlichen Zugewinnen. Spielwaren und Spiele werden von Menschen nahezu jeden Alters genutzt, weshalb für den Markt auch künftig mit stabilen Umsätzen gerechnet wird. Für ROFU beginnt die entscheidende Strecke trotzdem erst jetzt: volle Regale, ein funktionierender Shop, pünktliche Pakete – und die Frage, ob die Kundschaft im Dezember wieder zugreift.